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Steve Rennie: Träume, und lebe deinen Traum – Teil 1

An artist on stage singing into a microphone

Steve Rennie ist ein echter Musikindustrie-Veteran. Er managte mehr als 15 Jahre lang die Rockband Incubus, die bereits Platin-Status erreicht hat. Er hat Erfahrungen in der Arbeit mit Promotion, den Majors und mit Musik-Start-Ups. Derzeit konzentriert er sich auf Renman Music & Business, ein Online-Portal, das ein ganzes kostbares Sammelsurium aus faszinierenden Interviews, Gesprächen und Lektionen über das Musikbusiness miteinander kombiniert. Vergangene Woche hielt Steve auf „Creative Live“ einen Vortrag mit dem Titel  „Träume, und lebe deinen Traum“, in dem er vor einem Studio- und Online-Publikum darüber sprach, wie man seine Träume und Ideen wahr werden lassen könne und wie wichtig es dabei sei, das Musikbusiness aus einiger Distanz zu betrachten und ein Verständnis für das große Ganze zu entwickeln. Wir haben uns für dich Rennies Rede angeschaut und wollen dir nun unsere eigene Zusammenfassung der unserer Meinung nach wichtigsten Tipps für aufstrebende KünstlerInnen und Branchenexperten mitteilen:

Einstellung

Es gibt im Musikbusiness so einiges, das sich deiner Kontrolle entzieht. Du hast keine Macht über die Leute in den Labels, Radiosendern oder Musikverlagen. Aber du hast eine gewisse Macht über dich selbst und über die Entscheidungen, die du triffst. Rennie sagt:

„Das Wichtigste, was du auch kontrollieren kannst, ist deine Einstellung – die Einstellung, die du jeden Tag mitbringst, wenn es an die Arbeit geht. Das große Ganze zu verstehen, wird dir helfen. Die Entscheidungen, die du triffst, nachdem du deine Musik gemacht hast, werden die größte Wirkung haben, vielleicht sogar eine größere, als die Musik selbst. Du musst wissen, wo es langgehen soll und eine Ahnung haben, worum es bei alledem überhaupt geht.“

Rennie ruft uns permanent in Erinnerung, wie hart das Musikbusiness ist. Es war nie eine leichte oder sichere Art des Geldverdienens und jeder, der in dem Geschäft Karriere machen will, muss das so akzeptieren. Rennie betont, dass es keine „Checkliste“ gibt. Du kannst nicht erwarten, dass du „einen Song schreibst, einen Auftritt hast, ein Video machst, einen Tweet tweetest“ und ein Star wirst! Jede einzelne Person, die es im Musikbusiness zu etwas gebracht hat, sei es als KünstlerIn oder in einem anderen Beruf in der Branche, hat eine andere Geschichte. Steve ermutigt dich, diese Geschichten zu lesen, in Büchern oder Online, dir Interviews anzuschauen, dich inspirieren zu lassen – erwarte aber nicht, das dir das Gleiche widerfahren wird.

Lerne, das Business zu verstehen. Rennie sagt: „beim Musikbusiness in seiner einfachsten Form geht es um große Songs, großartige PerformerInnen und großartige Auftritte. Das sind die Grundbausteine.“ Diese Komponenten brauchst du, als KünstlerIn und als anderweitiger Branchenexperte. Als KünstlerIn darf man nicht vergessen, dass sich die eigene Einstellung automatisch etwas von der eines anderen Branchenprofis unterscheiden wird. Du bist persönlich involviert, während der andere Branchen-Spezialist dir „dabei hilft, die Songs und Konzerte in Geld zu verwandeln.“ Rennie argumentiert, dass die Musikgeschäft-Profis und die KünstlerInnen sich in ihrer Zielgerichtetheit und Entschlossenheit nicht groß unterscheiden: „dieses unerbittliche Bedürfnis, etwas Großartiges auf die Beine zu stellen.“ Das ist die Einstellung, die du brauchst.

Wie du anfängst

Faktoren wie wo du lebst, das Niveau der Fähigkeiten und das Alter können es einem schwer machen am Anfang. Dabei ist aber das Anfangsstadium mit das Einfachste: schreibe einen Song, gründe eine Band, mach' ein Praktikum oder gründe dein eigenes Label oder Business.

Rennie spricht darüber, wie wichtig es ist, die Hindernisse zu erkennen und zu überwinden nachdem du angefangen hast. Er verwendet den Begriff „A.U.P.-Faktor“ (Engl. „F.I.P. factor“), der die drei üblichen Probleme hervorhebt, die Menschen in gleich welchem Beruf betreffen können: Angst, Unsicherheit und Paranoia. Rennie macht den Vorschlag, auf den Ratschlag seines früheren Mentoren zu hören, der sagte: „viele Dinge flüstern dir zu, aber manches schreit dich an. Wenn dich etwas anschreit, dann solltest du dem, alles Ängsten zum Trotz, auch nachgehen.“

Ziel

Du solltest ein Ziel haben, eine Richtung und einen Plan. Du brauchst eine spezifische Zielsetzung, sei es eine Aufnahme, ein Video, ein neues Label, damit du deine Bemühungen konzentrieren kannst.

Wichtiger Tipp: Stell dir selbst die Frage, geht's um eine Karriere oder um ein Hobby? Wenn du vorhast, mit dem Musikmachen Geld zu verdienen, dann ist das etwas komplett anderes, als wenn du nur aus Freude und Liebe zur Musik Musik machst. Beides ist gleich viel wert, bedarf aber unterschiedlicher Herangehensweisen und einer gesunden Portion Realismus.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass du dich nicht nach 'schillerndem Ruhm' ausstrecken solltest. Viele KünstlerInnen, die wir heute bewundern und lieben, haben ihren Stil oder ihre künstlerischen Visionen nicht kreiert, indem sie verstohlenen den Blick auf den Ruhm gerichtet hielten. Rennie zieht häufig das Beispiel den Black Keys heran, die jahrelang gearbeitet und mehrere Alben veröffentlicht haben, bevor sie den Durchbruch schafften. Du musst an das glauben, worin du am besten bist und es tun. Dieser Gedanke ist auch bekannt als 'deinen wahren Norden finden' (im Sinne von 'Bestimmung'). Am stärksten betont Rennie, dass es schierer Entschlossenheit, Zeit und Mühe bedarf, um Musik zu deiner Karriere zu machen. Du musst an der richtigen Tür anklopfen und bereit sein, dich anzupassen, um herauszufinden, worin du wirklich am besten bist. Nicht jede/r ist talentiert genug fürs Songs-Schreiben oder für elektrisierende Auftritte, aber im Musikgeschäft gibt es viele verschiedene Wege, die du entdecken kannst. Es kann sein, dass du zufriedener bist, ein Musikstudio zu haben, in einer PR-Agentur zu arbeiten, ein eigenes Label zu gründen oder als ManagerIn. Lass dich nicht von den offensichtlichsten und attraktivsten Rollen im Musikgeschäft blenden.

"FTGK"

Laut Rennie gibt es verschiedene Torhüter, die du herausfordern musst. Auch hier ist deine Einstellung ausschlaggebend. Du musst dir sagen „zum Teufel mit diesen Torhütern“ (Engl. „to heck with those gatekeepers“) oder auch „FTGK“ (du verstehst hoffentlich, was gemeint ist!). Rennie beschreibt diese Einstellung als ein Anerkennen der Herausforderungen, die du zu bewältigen hast und als herausfordernden Kampfschrei. Es handelt sich um eine mentale Übung. Trotz der Labels, Musikverlage, Radio-Plugger und mächtigen Unternehmen wie YouTube, iTunes und Google, kannst auch du dein bester Feind und dein eigener Torhüter sein.

Rennie argumentiert, dass die Herausforderung bestehe, innerhalb des Musikklimas, das dich gegenwärtig umgibt, etwas Neues zu erschaffen. Du musst zeigen, dass du weißt, wie du die Torhüter umgehen kannst. Er zieht Jake Conte als Beispiel heran, der angefangen hat, indem er seine eigenen Videos so gemacht hat und der ohne Label ein YouTube-Publikum für sich gewonnen hat. Rennie gibt zu, dass während er früher einmal dachte, MusikerInnen wären entweder erfolgreich oder eben nicht, entweder dabei, auf- oder abzusteigen, mittlerweile eine neue Mittelschicht im Begriff sei, sich herauszubilden: MusikerInnen, die sich wirklich irgendwo dazwischen befinden.

Für unabhängige KünstlerInnen, die nicht vorrangig bei den Majors unterkommen wollen, sondern eine bestänige Karriere aufbauen wollen, die ihrer Musik, ihren Ambitionen und Bedürfnissen gerecht wird, ist das sehr ermutigend. Auch wenn Rennie immer wieder sagt, du solltest dein Ziel so hoch wie möglich stecken, dich nach den besten, größten, reichsten Labels mit den besten Infrastrukturen ausstrecken, räumt er ein, dass der digitale Vertrieb und die Heimstudio-Technologie die Zahl der zu konfrontierenden Torhüter drastisch reduziert hätten, oder sich zumindest die Art geändert habe, wie du ihnen gegenübertreten musst.

Die neue Herausforderung in der Musikindustrie ist die Innovation. Viele KünstlerInnen sind inzwischen Experten, wenn es darum geht, ein spannendes und wahnsinnig lustiges Low-Budget-YouTube-Video zu machen oder auch andere dazu zu bekommen, sie zu unterstützen. Was kannst du tun, was sich unterscheidet? Schreibe gute Songs und werde kreativ: „Sieh dir an, was die Gewinner tun – zieh dir alle besten Features heraus und setz' noch ein neues oben drauf. Nicht jeder ist dazu in der Lage! Finde heraus, was da draußen funktioniert – kann ich das noch besser?“

In Teil 2 fassen wir noch mehr von Steve Rennies Ratschlägen zusammen: wie du deine PartnerInnen aussuchst, deine Band in den Anfangsstadien managst und welche entscheidende Rolle das Geld in jeglicher Karriere im Musikbusiness spielt.

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