Das zwischen Amsterdam und Sizilien ansässige Label Tzunami hat sich einen eigenen Platz in der Techno-Landschaft erobert. Gegründet wurde das Label 2023 als direkte Fortsetzung der Arbeit seines Gründers Gaspare Crapanzano im Studio und hinter den Decks. Seitdem hat es sich zu einer Heimat für einen engen Kreis von Artists entwickelt, die dieselbe klangliche Vision teilen.
In diesem Label Spotlight sprechen wir mit Gaspare (alias Tzuvre) über die Entstehung des Labels, die Philosophie hinter dem Katalog und die Herausforderungen, in einer übersättigten Szene der eigenen künstlerischen Überzeugung treu zu bleiben.
Hallo Gaspare! Erzähl uns, wie ist Tzunami entstanden? Was hat dich dazu inspiriert, ein Label zu gründen?
Tzunami ist aus einem ganz natürlichen Bedürfnis heraus entstanden: eine Plattform zu schaffen, die meine künstlerische Vision kompromisslos widerspiegelt. Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Sound, Identität und Energie frei existieren können, unabhängig von Trends und Erwartungen. Anfangs war das Label eine Erweiterung meiner DJ- und Produktionsarbeit, entwickelte sich aber schnell zu etwas Größerem, zu einem Zuhause für gleichgesinnte Artists.
Wie würdest du die Mission oder Philosophie deines Labels in einem Satz beschreiben?
Wir wollen rohen, emotionalen und zukunftsweisenden Techno ohne Filter verbreiten und dabei unsere Identität über den Hype stellen.
Was sind die Highlights in deiner bisherigen Label-Erfahrung?
Es gab mehrere bedeutsame Momente, von starken Releases, die auf internationalen Bühnen Support erhalten haben, bis hin zu Kollaborationen mit Artists, die ich sehr schätze. Zu sehen, wie die Musik in Clubs gespielt wird und mit Menschen über den Sound des Labels in Kontakt zu kommen, ist immer ein Highlight. Auch der Aufbau einer konsistenten Identität, Release für Release, ist ein wichtiger Erfolg für mich.
Wie wichtig ist es für dich, deine lokale Szene oder Community zu unterstützen?
Das ist sehr wichtig. Auch wenn das Projekt international ausgerichtet ist, glaube ich, dass man authentisch bleibt, wenn man mit seinen Wurzeln verbunden ist. Ich lege großen Wert darauf, aufstrebende Artists zu unterstützen und Möglichkeiten zu schaffen, sowohl lokal als auch darüber hinaus.
Was sind die größten Herausforderungen, wenn du heute ein unabhängiges Label betreibst?
In einem übersättigten Markt herauszustechen, ist definitiv eine der größten Herausforderungen. Jeden Tag wird eine enorme Menge an Musik veröffentlicht. Um Qualität, Identität und Sichtbarkeit aufrechtzuerhalten, muss man daher konsequent bleiben und den Fokus behalten. Ein weiterer Aspekt betrifft die aktuelle Promotionslandschaft: Viele Möglichkeiten der Sichtbarkeit sind an bezahlte Modelle gebunden. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass redaktioneller Support und Premieren in erster Linie auf echter Verbindung zur Musik basieren sollten, nicht auf finanziellen Faktoren. Für mich steht der künstlerische Wert an erster Stelle, während sich strukturiertere Kooperationen zu einem späteren Zeitpunkt transparent entwickeln können.
Was ist das Beste daran, ein unabhängiges Label zu betreiben?
Die Freiheit. Der schönste Aspekt ist, dass Entscheidungen ohne äußeren Druck getroffen werden können und sich ausschließlich an der künstlerischen Ausrichtung orientieren. So bleibt das Label ehrlich und kann sich organisch weiterentwickeln.
Wie entdeckst und wählst du die Artists aus, mit denen du zusammenarbeitest?
Das ist ein sehr selektiver Prozess, der hauptsächlich von mir gesteuert wird. Ich arbeite nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern suche gezielt nach Artists, die die klangliche Ausrichtung des Labels bereits widerspiegeln. Wichtig ist mir eine echte Verbindung, sowohl auf menschlicher als auch auf künstlerischer Ebene, und dass der Sound von Anfang an mit dem übereinstimmt, wofür Tzunami steht. Es geht nicht darum, sich anzupassen, sondern eine gemeinsame Vision von Beginn an zu teilen.