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Streaming: Probleme, die über Auszahlungen hinausgehen

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An artist on stage singing into a microphone

Die Auszahlungen der Streaming-Services sind im Moment ein heiß diskutiertes Thema. Von einigen MusikerInnen wurden Zahlen veröffentlicht, von denen man ablesen kann, dass ihre Langzeitverdienste aus den Töpfen der Streaming-Dienste, u.a. Spotify, außergewöhnlich gut sind, während es anderen KünstlerInnen weniger rosig geht, da die Labels, die Vertriebe und die Streaming-Services an ihrer statt die Gewinne einstreichen. Im luftleeren Raum existieren Auszahlungen aber auch nicht. Mitunter tauchen Themen auf wie Betrug oder die komplexen Zusammenhänge um die verwandten Schutzrechte, die sich ebenso darauf auswirken können, welche Erfahrungen du als MusikerIn mit Streaming-Services hast.

Stellt Betrug im Streaming-Geschäft eine Gefahr dar?

Neulich sind zwei Fälle prominent geworden, die sich insbesondere Spotify zunutze machten, um an Geld zu kommen und um für Publicity zu sorgen. Vulfpeck zum Beispiel, eine Band aus LA, veröffentlichte auf Spotify ein stummes Album, das sie 'Sleepify' nannten. Hier ihr Promotion-Video für das Projekt.

Das Album besteht aus Tracks, die alle knapp über 30 Sekunden lang sind, da das die Zeitdauer ist, für die ein Song auf Spotify gespielt werden muss, um als wirklich gestreamt zu gelten. Die Band bat ihre Fans, ihr 'Album' wiederholt zu streamen, während sie schliefen, um so das Geld für die nächste Tour zusammenzubekommen. Jede Nacht, die ein Fan schlafend mit dem Song verbringen würde, brächte der Band $4 ein. Angeblich verdiente Vulfpeck mit diesem Stunt $20.000, und dazu noch eine Menge Publicity! Wie dem auch sei – Sleepify wurde inzwischen von Spotify heruntergenommen und niemand weiß, ob Vulfpeck je einen Scheck über die Tantiemen in der Hand halten werden oder nicht! Auch wenn es den MusikerInnen und der Musikindustrie insgesamt sicherlich mehr nützt, wenn echte Veröffentlichungen von guter Qualität hochgeladen werden, ist es doch äußerst spannend, an diesem Punkt in der Entwicklung des Streaming-Geschäfts, die Herausforderungen und Reaktionen zu beobachten, die Bands im Moment erfinden. Das Problem ist, dass die Nummer, die Vulfpeck gelandet hat, dem Prinzip nach anderen KünstlerInnen Geld abzieht, denn Spotify zahlt die Streaming-Tantiemen aus einem gemeinsamen Topf aus, der unter allen KünstlerInnen im gesamten Katalog aufgeteilt wird. Aus diesem Grund sollten Streaming-Anbieter ihre Uploads genau überprüfen, so dass sie nicht Gefahr laufen, Geld zu verlieren, weil sich jemand mal eben einen Spaß erlaubt hat.

Ein weiteres Beispiel für einen Streaming-Betrug ist Peter Filimore, ein Hacker aus Melbourne, dem es gelang, durch Spotify $1.000 in Tantiemen zu verdienen. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheitslücken in Spotifys System genauer unter die Lupe zu nehmen und durfte sich mit Erfolg krönen: er ließ Pink, Nicki Minaj und Flume hinter sich und torpdierte sich an die Spitze der digitalen Charts mit, wie er gestand, Musik, die eine Zumutung war und aus zufälligen Algorithmen bestand. Das SC Magazine zitiert Filimore mit der zynischen Bemerkung: "Wie sich herausgestellt hat, machst du etwas falsch, wenn du mit Musik Geld verdienen willst und dabei ein Musiker bist.". Du musst aber jetzt nicht gleich wegen einer Hacker-Geschichte deine Musikkarriere aufgeben!

Erstens sollte die Publicity, die solche Stunts mit sich gebracht haben, Spotify und andere Streaming-Anbieter dazu ermutigen, ihre Kataloge sorgfältiger zu überprüfen – was nur gut sein kann, weil das bedeutet, dass deine echten Veröffentlichungen mehr Raum und Aufmerksamkeit erhalten, wenn eine strikte Strategie dafür sorgt, dass Scam-Uploads entfernt werden. Außerdem betonen diese Beispiele, dass die Auszahlungssysteme der Streaming-Anbieter noch immer mit Fehlern behaftet sind und dass die Systeme verbessert werden können und sollten. Wenn du nur Geld verdienen kannst (und sei es zeitweise – denn es ist unwahrscheinlich, dass eine Seite die Gewinne zu sehen bekommt), indem du mit Algorithmen oder Tricks arbeitest, die dir bei weitem mehr Plays einbringen, als ein reales Album oder ein echter Track erhalten würden, dann stimmt ganz sicher etwas nicht. Trotz der positiven Reaktionen einiger KünstlerInnen ist es offensichtlich, dass das originale, ursprüngliche Modell verbesserungswürdig ist.

Spotifys Reaktion auf Vulfpecks Album – "es scheint sich um eine John-Cage-Bearbeitung zu handeln" könnte einen vermuten lassen, dass die Aktion auf die leichte Schulter genommen wurde oder dass eine solche Art von Betrug nicht als wesentliche Bedrohung wahrgenommen wird (vielleicht, was den eigenen Profit betrifft?), aber die Aussage zeigt im Grunde, dass eher das Gegenteil der Fall ist:

"Spotify arbeitet daran, jegliche betrügerische Streaming-Aktivität innerhalb des gesamten Dienstes zu bekämpfen. Wir verwenden ein Modell, welches bestimmen kann, ob ein Produkt "abnorme" Streaming-Aktivität aufweist, was definiert wird durch die Verwendung einer Kombination aus u.a. folgenden Faktoren:

  • Anzahl der Streams, die ein Album in der vorangegangenen Woche hatte;
  • Anzahl der Nutzer, die das Album streamen;
  • Gesamtzahl der Streams / Gesamtzahl der Nutzer, die den Track streamen;
  • Anzahl der Track auf einem Album;
  • Anzahl der "kurzen" Tracks auf einem Album ( < 60 Sekunden);
  • Anzahl der "kurzen" Streams auf einem Album ( < 60 Sekunden);
  • Territoriale Aktivität.

Produkte, die einen gewisse Schwellenwert an abnormer Aktivität erreicht haben, werden von unserem Modell als betrügerisch eingestuft und werden von Spotify entfernt".

Warum sind Tantiemenzahlungen trotzdem so schwer zu greifen?

Der Musikindustrie-Experte Ari Herstand veröffentlichte vor Kurzem einen Post, in dem er seine Erfahrung mit Sound Exchange darlegte, eine unabhängige Non-Profit-Organisation für Performance-Rechte, die Tantiemen aus digitalen Auftritten einsammelt und an vertretene KünstlerInnen und Rechteinhaber von Leistungsschutzrechten verteilt. Die Organisation ist das Äquivalent zur deutschen GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH). Wir werden zukünftig noch mehr zur GVL und den Schwierigkeiten, die mit Verwertungsrechten zusammenhängen, in einem unserer Blogs berichten. Du kannst aber hier schon einmal den ganzen Text zu Aris Erfahrung mit Sound Exchange lesen – ein eher beunruhigendes Beispiel, das jetzt, da es an die Öffentlichkeit gelangt ist, hoffentlich Verbesserungen nach sich ziehen wird. Die Kernaussage des Posts ist, dass man aufmerksam überprüfen sollte, wie der Streaming-Service, bei dem man seine Musik hochladen möchte, tatsächlich funktioniert und operiert.

Hier findest du eine extrem hilfreiche Informationsgrafik, die aufzeigt, wie MusikerInnen mit digitalen Streaming-Services Geld verdienen. Man sollte nicht vergessen, dass es immer auch Vorlieben gibt, und, neben den unterschiedlichsten Erfahrungen, die geprägt davon sind, was gerade die eigene Situation als MusikerIn, SongwriterIn und/oder RechteinhaberIn ist, können Informationen auf verschiedenste Art präsentiert werden. Die unendlichen Möglichkeiten, die sich um Labels, Vertriebe und Rechteinhaber ranken, machen es nicht unbedingt leichter, herauszufinden, ob dir wirklich alles ausgezahlt wird, was dir auch zusteht oder nicht. Die Betriebssysteme, die jeweils von den verschiedenen Streaming-Diensten oder Internet-Radioanbietern verwendet werden, sind gleichermaßen komplex, mit unterschiedlichen Gebührensätzen, je nachdem, wie viel eingenommen wird durch Werbung und Abonnements, wie viel Musik zum Download zur Verfügung gestellt wird bzw. in der Cloud gespeichert wird.

Hier ein paar der wichtigsten Momente, die du beachten und bedenken solltest, wenn du darüber entscheidest, bei welchem Streaming-Service du dich anmeldest. Das wird dir später dabei helfen, deine Auszahlungen nachvollziehen zu können!

  • Muss ich mit einem Label zusammenarbeiten bzw. eins gründen, um meine Tracks hochladen zu können?
  • Muss ich bei einem digitalen Vertrieb sein, um meine Tracks hochladen zu können?
  • Muss ich mich zweimal anmelden, wenn ich Rechteinhaber für sowohl die Komposition als auch die Sound-Aufnahme bin?
  • Hat der Streaming-Service alle von mir eingereichten Songs korrekt hochgeladen? (In Aris Fall war es so, dass Sound Exchange nur 8 seiner 70 Songs hochgeladen hatte und dabei auch seine beliebtesten Songs außen vor gelassen hatte. Außerdem dauerte es mehr als ein Jahr, bis das Problem gelöst war, trotzdem er den Dienst informiert hatte.)

In Zukunft

Immer mehr digitale Vertriebe bieten den MusikerInnen, mit denen sie in diesem Bereich zusammenarbeiten, ihren Support an. Das bedeutet, dass du dich nicht unbedingt auf ein Label zu verlassen brauchst, um professionell beraten und bei der Verwaltung unterstützt zu werden, wenn es darum geht, deine Tantiemen einzusammeln, die dir von den Streaming-Diensten zustehen.

Nach neuesten Gerüchten soll Apple Beats Music erwerben und den dazugehörigen neuen Streaming-Service. Das zeigt, dass sich dieses Geschäftsmodell nicht unbedingt rasant entwickelt, aber dass es sich doch permanent verändert. In unserem letzten Blog über die Zukunft des Streamens stellten wir einige Ideen des Geschäftsführers von WiMP zur Debatte und zeigen, dass ein demokratisches KünstlerInnen-Honorar, das im Einklang steht mit den Hörergewohnheiten, ein Zukunftstraum ist, der noch weit davon entfernt ist, Realität zu werden. Müssen wirklich noch mehr Betrüger in die Trickkiste greifen, bevor die Streaming-Anbieter anfangen, demokratisch auszuzahlen? MusikerInnen und JournalistInnen haben bereits damit begonnen, die Probleme, vor die das Streamen MusikerInnen stellt, zu benennen – damit man gleich mit den dringend benötigten Verbesserungen anfangen kann!

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