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Gigstarter: Erst Tickets verkaufen, dann die Tour planen

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An artist on stage singing into a microphone

Technologie demokratisiert die Welt. In vielen Bereichen werden traditionelle Strukturen zunehmend überflüssig, besonders deutlich wird das in der Musikbranche. Künstler haben heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, direkt mit ihren Fans in Kontakt zu treten Stichwort: Do It Yourself (DIY). Die Bedeutung, die diesem Begriff zugrunde liegt, hat sich über die Jahre verändert. Als das digitale Zeitalter an Fahrt gewann und das Web 2.0 in aller Munde war, war man geneigt zu glauben, DIY bedeute tatsächlich, Künstler könnten alles selbst in die Hand nehmen: Promo, Vertrieb, Tourplanung und dazwischen kreativ sein und Songs schreiben. Musiker brauchen jedoch Freiraum, um ihrer Kunst vernünftig nachzugehen. Hätten die kreativen Genies, die hinter unseren Lieblingsalben stecken, neben dem Schreiben der Songs und den Aufnahmen im Studio auch noch die Promo dafür sowie die Tourneeplanung selbst übernehmen müssen, wer weiß, wie gut die Alben letztendlich geworden wären. Eine treffendere Übersetzung für DIY fand der Unternehmer und Autor Derek Sivers. Er sprach von Decide It Yourself: Künstler können heute aus einer Vielzahl von Dienstleistern auswählen, die wichtige Funktionen für sie übernehmen. Unternehmen, die sich auch wirklich als solche verstehen: die Leister von Diensten für den Künstler.

Schon immer betonten auch die größten Konzerne, dass der Künstler im Mittelpunkt stünde. Lange Zeit war das nur geschwafelt, jedem Konzern geht er schließlich um Gewinn und Machterhalt. Wer heute allerdings ernsthaft Geld in der Musikbranche verdienen möchte, ohne am kreativen Schaffungsprozess beteiligt zu sein, kann sich solche leeren Worthülsen nicht mehr leisten. Der Künstler steht im Mittelpunkt und jedes Musikunternehmen, dass heutzutage noch Erfolg haben will, sollte diese Erkenntnis zur Grundlage seines Handelns machen. Das soll nicht heißen, dass Major-Labels nie Geld in den Aufbau von Künstlern gesteckt hätten, die Gewinnabsicht war jedoch stets maßgebend, was sich auch in den vertraglich festgelegten Anteilen, die dem Künstler aus dem Verkauf seiner Musik zustehen, niederschlug. Diese Zeiten sind vorbei.

Introducing: Gigstarter

Digitale Vertriebsangebote wie iMusician platzieren Songs für den Künstler in allen relevanten digitalen Musikdiensten der Welt. Wer einen Social-Media-Profi beschäftigt, kommt mit minimalem Promo-Budget aus. Und auch im Live-Bereich hört man von ständig neuen genialen Ideen, die sich Technologie zunutze machen, um das Leben für die Künstler einfacher zu gestalten. Eines der Unternehmen, das die künstlerzentrische Philosophie beherzigt, ist Gigstarter. Gigstarter eine Crowdfunding-Plattform für Konzerte zu nennen, träfe es nicht ganz. Im Unterschied zu anderen Crowdfunding-Plattformen stellt sich Gigstarter nämlich nicht in den Vordergrund. Während Künstler, die auf Pledgemusic, Kickstarter, Startnext etc. setzen, ihre Fans dazu mobilisieren müssen, die jeweilige Plattform aufzusuchen und dort zu spenden, läuft Gigstarter komplett im Hintergrund – weder Künstler noch Fans realisieren, dass sie gerade über einen Drittanbieter miteinander interagieren.

„Wo soll ich spielen?“

Die Funktionsweise von Gigstarter ist simpel: Ein Act möchte auf Tour gehen, also fragt er seine Fans über seine Social-Media-Kanäle, wo sie ihn gerne live erleben würden. Jede Gigstarter-Kampagne eines Künstlers beginnt mit der Frage: „Wo soll ich spielen?“ Der Sänger David Gray beispielsweise mobilisierte über Facebook 10.000 seiner Fans aus Irland, die durch Mundpropaganda unter ihren Facebook-Freunden insgesamt 21.000 Ticket-Nachfragen für Shows im ganzen Land generierten. Konzerte, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht feststanden, wohlgemerkt. Die große Nachfrage zog eine Medien-Kampagne nach sich, ohne, dass auch nur ein Cent investiert werden musste.

Als Künstler legt man im Frontend von Gigstarter fest, wie viele Tickets an welchen Orten und in welchem Zeitraum benötigt werden. Im Backend wird daraufhin automatisch ein ganzer Tournee-Plan erstellt. Newcomer wie die Band Join Me In The Pines konnten so risikofrei ihre erste Tour planen, ohne sich darum sorgen zu müssen, ob die Venues voll sein würden. Sie spielten von vornherein nur dort, wo es bereits genügend garantierte Konzertbesucher gab.

Apropos Venues: Auch die Betreiber kleiner, unbekannter Spielstätten erreichen durch Gigstarter potenziell ein neues Publikum. Erstmals spielen Künstler nämlich auch an Orten, an die sie früher nicht einmal gedacht hätten, weil sie keine Ahnung hatten, dass sie dort Fans haben. Nun, da die Fans entscheiden, wo der Künstler spielen soll, können sogar kleine Dörfer, die auf kaum einer Landkarte abgebildet sind, Teil einer Tour werden. David Gray beispielsweise fand dank Gigstarter heraus, dass er mehr Fans in der irischen Stadt Cork als in Dublin hat, obwohl Irlands Hauptstadt etwa fünf Mal mehr Einwohner hat als Cork.

Ein Geschäftsmodell für jedermann

Ein Modell wie Gigstarter eignet sich keinesfalls nur für Newcomer oder Indie-Künstler. Jeder Act, egal ob bekannt oder unbekannt, wird die Vorstellung, risikofrei touren zu können, begrüßen. Eine Tour beginnt erst dann, wenn sämtliche Kosten gedeckt sind – das klingt eigentlich fast schon zu schön um wahr zu sein. Dabei ist es die Realität. Doch es geht bei Gigstarter keinesfalls nur darum, Risiko zu minimieren. Gigstarter vertieft die Beziehung zwischen Künstler und Fan. Wer die Debatten um neue Geschäftsmodelle im Musikbiz (wie etwa Streaming – siehe hierzu auch „Zeit umzudenken – ein neues Bezahlmodell im Streaming“)  mitverfolgt weiß, wie wichtig es für Künstler mittlerweile ist, mit ihren Fans in intensivem Kontakt zu stehen und sie so zu Superfans zu machen. Diese Superfans sind es, die überdurchschnittlich viel Geld für Musik ihrer Lieblings-Acts ausgeben. Superfans kaufen Boxsets für 200 Euro, sie zahlen unmenschliche Beträge für VIP-Tickets und sind unter den Top-Stiftern in den Crowdfunding-Projekten ihrer Idole. Ein Superfan fühlt sich geehrt, über Facebook gefragt zu werden, wo sein Star bei seiner nächsten Tour halt machen soll. Er wird Familie und Freunde mobilisieren, um den Act in seiner Nähe spielen zu sehen. Superfans sind die besten Promoter, die sich ein Künstler nur wünschen kann. Gigstarter hilft dem Künstler, diese Fans zu identifizieren und zu mobilisieren. Wer ein Ticket über Gigstarter kaufen möchte, muss sich per E-Mail registrieren. Für Künstler sind diese Art von Daten enorm wertvoll, da sie so ihre Fans direkt anschreiben können.

Gigstarter behält übrigens sechs Prozent eines jeden verkauften Tickets ein. Genauer gesagt, behält Gigstarter sechs Prozent sämtlicher Verkäufe ein, das Modell eignet sich längst nicht nur für Tickets. Auch Merch-Bundles sind denkbar. David Gray verkaufte beispielsweise ein exklusives Poster gebündelt mit einem Ticket zur Show. Wer den leicht erhöhten Preis für das Bundle zahlte, durfte sich das Poster beim Gig abholen. „Wir würden in Zukunft gerne personalisiertes Merchandise verkaufen“, so Donal Scannell, der Gründer und CEO von Gigstarter. Vergleicht man die sechs Prozent, die Gigstarter einbehält, mit den bislang üblichen Vertriebs- und Verkaufsgebühren, wird klar: Hier erkennt ein Unternehmen seinen Platz in der Wertschöpfungskette der Musikbranche. Donal Scannell räumt ein, von großen Acts, die enorm viele Tickets zu relativen hohen Preisen verkaufen, in Zukunft eventuell einen höheren Anteil zu verlangen, sollten sie die Dienste von Gigstarter in Anspruch nehmen. An der Basis verstehe man sich jedoch als „Enabler“, als jemand, der Künstler beflügelt. Künstler, die Zeit und Energie in das Mobilisieren ihrer Fans stecken,wohlgemerkt. Ohne Einsatz und harte Arbeit schöpft man nämlich nur aus einem Bruchteil des Potenzials von Gigstarter.

Noch testet Gigstarter sein Modell mit ausgewählten Partnern. Noch im Juni will das Unternehmen  offiziell an den Start gehen. Sogar ein großer Major setzt mittlerweile auf Gigstarter, um Tourneen gerade für Newcomer-Acts zu planen. Labels können sich so ohne Risiko vom Potenzial eines Künstlers überzeugen. Man sieht, dass bestehende Strukturen durch die digitale Revolution nicht sofort aufhören werden, zu existieren. Man führe ja auch gegen niemanden Krieg, betont Scannell, auch nicht gegen die traditionelle Branche. Deren Player tun jedoch gut daran, sich nicht länger in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Idee, dass ohne den Künstler nichts geht, zu begrüßen. Auch Majors sind eben nur Dienstleister, das geriet lange Zeit in Vergessenheit. Das Live-Geschäft macht heute den wichtigsten Teil des Umsatzes im Musiksektor aus. Gigstartet erlaubt Künstlern den Zutritt in diesen wichtigen Sektor, ob mit oder ohne Label im Rücken.

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