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Langeweile im Studio – ein Ratgeber für Betroffene

Boredom1600

Hey, dieses mal schreibt Iftah über ein Zentralthema künstlerischer Arbeit: Inspiration, bzw. die Abwesenheit davon. Jeder von uns kennt diese Perioden des Stumpfsinns und der inneren Leere. Wir gehen ins Studio, schalten die Geräte an, und egal was wir auch tun, es funktioniert nicht, es rockt nicht, es befriedigt nicht. Mit den Jahren habe ich einige technische und weniger technische Methoden entwickelt, die mir helfen, mit diesem perfiden Zustand umzugehen, und diese Erfahrungen möchte ich mit Euch teilen.

Durchbrecht eure Routinen - und der Rest kommt dann von selbst

Als aller erstes solltest du eingefahrene Muster und Abläufe erkennen und möglichst radikal verändern. Wenn du gewöhnlich tagsüber ins Studio gehst, dann geh statt dessen nachts. Selbst wenn es einen großen Aufwand oder Zwang darstellt, könnte es gerade deshalb etwas bringen.

Sich von Plänen und Vorhaben zu befreien und statt dessen einfach nur zum Spaß Musik zu machen ist ebenfalls sehr hilfreich. Wer seit einigen Jahren Musik macht, tendiert möglicherweise dazu, Musik unter der Prämisse zu machen, dass daraus später ein Produkt wird. So sehr das oft auch notwendig sein mag, kann diese Einstellung ebenso dazu führen, keine Inspiration mehr zu verspüren. Dann ist es oft ratsam einfach einmal genau anders herum zu beginnen. Wenn du anders ans Musik machen herangehst, also nicht das tust was du normalerweise aus Spaß tätest, werden Dinge geschehen mit denen Du nicht gerechnet hast. Wie auch! Zum Beispiel, wenn du für gewöhnlich Techno- oder House produzierst, dann versuch dich doch mal an einem anderen Genre, das du ebenfalls magst. Nehmen wir mal an, es sei West Coast Instrumental Hiphop. Nimm einen entsprechenden Loop und geh dann instinktiv weiter vor. Nach einer Weile nimmst du die Elemente die du besonders magst, passt das Tempo an und begibst dich zurück auf bekannteres Gebiet (oder vielleicht auch nicht... eventuell wirst du dann auch ein großer West Coast Instrumental Hiphop Produzent).

Kontrainstinktives Vorgehen ist ebenfalls eine gute Methode. So wie es die amerikanische Komponistin Pauline Oliveros in ihrer Sammlung "Sonic Meditations" tut: Fang mit irgend einem Klang an - mehr oder weniger zufällig gewählt, spiel diesen so lange bis du dich daran gewöhnt hast und diesen Klang gerne weiter spielen willst... Und genau dann verändere den Klang! Wenn du das eine Zeit lang wiederholst, wirst du eventuell eine Neuordnung der Prioritätensetzung in deiner musikalischen Herangehensweise bemerken, was letztlich zu neuer musikalischer Freiheit führt.

Vor etwa 3 Jahre verschüttete ich eine Flasche Bier über meinem Computer (versehentlich). Ich musste den Rechner auseinandernehmen, säubern und trocknen lassen. Unterm Strich hatte ich eine Woche lang keinen Computer. In dieser einen Woche saß ich im Studio, baute sämtliche Hardware auf, die es gab, fing an ohne ein spezielles Vorhaben zu jammen und nahm alles auf einem 8 Spur Kassettenrecorder auf. Da ich von der "Verpflichtung" befreit war, konkrete Ergebnisse zu erzielen, kamen plötzlich neuartige, rohe und interessante Dinge zu Tage. Später verarbeiteten wir diese Sessions zu der "Love songs for the broken hearted arpeggiator " EP. Und das war nur möglich wegen meiner Losgelöstheit von ernsthaften Ansätzen - da konnte ich dann ungeniert Krach machen...

Der zweckentfremdete Spielplatz

Wenn mich das Inspirationsloch auf der technische Seite einholt, beginne ich oft damit die Soft- und Hardware auf unorthodoxe Weise zu nutzen. Ich tue einfach das damit, wofür es nicht gedacht ist und schaue, was dabei herauskommt. Generell macht das erstmal sehr viel Spaß, und die Ergebnisse klingen auf jeden Fall sehr speziell. Ich werden im Folgenden einige Anregungen geben. Diese Beispiele sind bezogen auf Ableton Live, wer sich mit dieser Software nicht so gut auskennt, der nutze bitte das Internet zur Informationsbeschaffung. Es gibt ebenfalls Youtube-Links mit detaillierten Tutorials zu den Beispielen:

  1. Granular Simpler - https://youtu.be/pcE2w_C1CPMIm ersten Beispiel nutze ich Simpler - Ableton´s einfachen Sampler - als modularen Granular-Synthesizer. Nachdem du ein Sample geladen hast, schalte "LOOP" ein und "SNAP" aus und verkürze den Playback-Bereich des Samples. Versichere dich, dass das Sample auf Mono geschaltet ist und spiele einige längere Noten. Jetzt spiele mit den Parametern für "Loop", "Length" und "Fade" und es werden recht interessante Dinge passieren. Du kannst jetzt dem "Start" Parameter einen LFO zuweisen um diesem periodisch zu ändern. Das Ergebnis hat viel mehr Dreck als ein dedizierter Granular Synth. Das macht es dann aber auch sehr einzigartig.
  2. Filter Ringer - https://youtu.be/XMdsjPi2aTMIm zweiten Beispiel nutze ich Live´s neuen Autofilter der zur Selbstoszillation gebracht werden kann (er beginnt bei hohen Resonanzwerten, Sinustöne zu erzeugen), um die Technik des sog. "Filter Ringing" zur Anwendung zu bringen. In diesem Beispiel setzen wir die Resonanz auf 96% - das ist der Grenzbereich zur Selbstoszillation - in schicken einen kurzen Audio-Impuls hinein. Das kann zum Beispiel ein kurzes Stück eines Rim Shots sein, den man ins Drum Rack geladen hat. Wenn man diesen Impuls spielt, bekommt man einen Sinuston mit einem sehr natürlichen Decay (Ausklang) zu hören. Das lässt sich sehr gut als perkussiv-tonaler Sound verwenden. Die Tonhöhe kann mit der "Freq" Einstellung bestimmt werden. Wenn man das Max4Live Plugin "Expression Control" auf den Audiokanal tut und es auf das "Freq" Dial des Filters mappt, kann man den Sound nun tonal mit einem MIDI-Keyboard spielen.
  3. Feedback Synth - https://youtu.be/_0IAjnmIEsEIm letzten Beispiel erzeuge ich eine Feedback-Schleife in Live, die ich dann tonal spielen kann. Diese Art der Tonerzeugung nennt sich "Karplus-Strong-Synthese" und ist auf einfache Weise in der Lage, gezupfte Saiteninstrumente oder Perkussion zu simulieren. Da das sehr detaillierter Erklärung bedarf, verweise ich einfach auf den Video-Link.

So technisch diese Beispiele auch sein mögen, die Idee ist, eine kleines bisschen Technik zu nehmen, diese zweckentfremdet anzuwenden und sich nicht an Regeln zu halten.

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