Psychische Gesundheit im Musikbusiness: Wie du dein Wohlbefinden in deiner Karriere in den Vordergrund stellst
- 10 März 2025, Montag

Psychische Probleme sind in der Musikbranche weit verbreitet. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Herausforderungen und stellt Lösungen vor, mit denen Artists ihre psychische Gesundheit schützen können – von Selbstfürsorge-Strategien über professionelle Unterstützung bis hin zur Kraft der Community.
TW: Psychische Gesundheit, Drogenkonsum, Sucht
Psychische Gesundheit in der Musikbranche
Im Laufe der Jahre ist Mental Health zu einem viel diskutierten Thema geworden. Was früher oft als Tabuthema angesehen wurde, wird heute viel offener diskutiert. Dieser Wandel wurde durch ein größeres Bewusstsein, verstärkte Fürsprache und den Einfluss von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die offen über ihre Probleme gesprochen haben, vorangetrieben. Auch soziale Medien haben eine Rolle gespielt, da sie es den Menschen ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen, Stigmata zu überwinden und leichter Zugang zu Ressourcen für psychische Gesundheit zu erhalten.
Das Thema psychische Gesundheit ist in der kreativen Community besonders wichtig, da Kunst oft zur Verarbeitung von Emotionen und zur Bewältigung persönlicher Probleme genutzt wird. Für Künstler*innen kann Kreativität sehr therapeutisch sein und als Ausdruck ihrer Gefühle dienen. Sie kann aber auch zu einer Quelle des Drucks werden, die zu Stress, Angst und anderen Herausforderungen führt, vor allem, wenn ihre Kunst direkt mit ihrer Karriere verbunden ist.
Studien bestätigen, dass psychische Probleme weit verbreitet unter Artists sind. Eine Studie von Record Union aus dem Jahr 2019 ergab beispielsweise, dass 73 % der unabhängigen Künstler*innen mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben. Und von den 18- bis 25-Jährigen gaben insgesamt 80 % an, dass sie mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.
Doch nicht nur Indie-Künstler*innen, die ihre Karriere in der Musikindustrie gestalten , haben mit solchen Problemen zu kämpfen. Ein aktueller Billboard-Artikel zeigt, dass viele berühmte Artist aller Genres aus verschiedenen Gründen mit psychischen Problemen zu kämpfen haben (oder in der Vergangenheit hatten).
Häufige psychische Probleme unter Künstler*innen
Artists befinden sich aus vielen Gründen in einer herausfordernden Situation. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Unsicherheit, die mit einer kreativen Karriere einhergeht. Viele machen sich Sorgen darüber, woher der nächste Gehaltsscheck kommt, stellen ihre Relevanz in einer kompetitiven Branche in Frage, müssen mit öffentlichem Druck umgehen und erleben Rückschläge, die sehr entmutigend sein können.
Zusätzlich spüren viele den unerbittlichen Druck, ständig zu arbeiten und Neues zu schaffen, und das oft allein. Dies kann schnell zu einem Burnout führen und Gefühle sozialer Isolation verstärken. Für diejenigen, die auf Tournee sind, können lange Abwesenheiten von Freund*innen und Familie, ständiges Reisen, chaotische Schlafzeiten und eine unvorhersehbare Routine eine noch größere Belastung darstellen.
Schließlich ist es nicht ungewöhnlich, dass Künstler*innen ungesunden Lebensgewohnheiten verfallen, die oft glorifiziert werden. Das gängige Bild eines Artists ist oft geprägt von der Vorstellung eines Lebens voller Freiheit, fern von strengen Routinen oder alltäglichen Verpflichtungen, immer zwischen kreativer Arbeit und exzessivem Feiern balancierend.
Ein intensives, aufregendes Leben mag eine Zeit lang funktionieren, aber langfristig erfordert eine Karriere im Musik- oder Kunstbereich sowohl körperliches als auch mentales Wohlbefinden sowie ein gewisses Maß an Struktur. Da der Beruf jedoch oft mit Belastung, Unvorhersehbarkeit und hohen Erwartungen verbunden ist, suchen viele Artists nach Wegen, mit dem Stress umzugehen – und einige greifen schließlich zu Alkohol oder anderen Substanzen.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf bestimmte Genres – man denke an das bekannte Motto Sex, Drugs and Rock 'n' Roll, an die tragische Geschichte von Amy Winehouse oder an die zahlreichen drogenbedingten Todesfälle in der Hip-Hop-Szene.
Doch warum ist das so? Die Gründe sind vielfältig. Häufiger Drogenkonsum geht oft mit tiefer liegenden Faktoren wie Einsamkeit, Isolation, geringem Selbstwertgefühl oder traumatischen Erlebnissen einher. Eine Studie ergab, dass Menschen mit regelmäßigem Drogenkonsum häufiger über Einsamkeit berichteten als jene, die sich sozial gut eingebunden fühlten. Berufliche Herausforderungen sind also selten der einzige oder ausschlaggebende Grund für eine Abhängigkeit – vielmehr können bereits bestehende Belastungen durch bestimmte Umstände verstärkt werden.
Allerdings spielen auch berufliche Faktoren eine Rolle. Manche Artists konsumieren beispielsweise Substanzen, um dem Druck standzuhalten, lange Arbeitszeiten zu überbrücken oder ihre Konzentration aufrechtzuerhalten. Ein Beispiel sind tourende Artists, die regelmäßig bis spät in die Nacht auftreten und kaum Zeit zur Erholung haben – einige greifen zu Aufputschmitteln, um durchzuhalten.
Für andere kann der Konsum eine Möglichkeit sein, mit Stress und dem Druck des öffentlichen Lebens umzugehen. In diesen Fällen erscheinen Alkohol und Drogen oft als eine Form der Flucht aus der Realität – besonders Substanzen mit beruhigender Wirkung, die helfen, den Geist zu verlangsamen. Manchmal entsteht eine Abhängigkeit auch schlicht durch das Umfeld: Wenn Drogenkonsum in einem bestimmten Milieu weit verbreitet ist, werden sie leichter zugänglich, verlockend und mit der Zeit sogar normalisiert.
Auf einer breiteren Ebene spielt auch ein kulturelles Narrativ eine Rolle – eines, das, wie die Musician’s Union feststellt, „die Idee des gequälten Genies glorifiziert“. Viele Artists, die ohnehin mit persönlichen Herausforderungen kämpfen, identifizieren sich übermäßig mit negativen Gefühlen und betrachten sie als einen wesentlichen Teil ihrer Kunst und kreativen Identität. Das kann Ängste hervorrufen: Wenn es mir besser geht, bleibt meine Kunst dann noch ausdrucksstark, beständig und authentisch? Werden sich Menschen weiterhin mit meiner Musik identifizieren – oder verliere ich mein Publikum? Und was, wenn meine Kreativität darunter leidet?
Mögliche Lösungen
Was kannst du als Artist also tun, um deine psychische Gesundheit zu schützen?
Der erste Schritt – so generisch er auch klingen mag – ist es, dich um deine körperliche Gesundheit zu kümmern. Unabhängig davon, wie du deinen Lebensstil gestaltest, kann es bereits helfen, regelmäßig ausreichend zu schlafen, genug zu trinken und nährstoffreiche Mahlzeiten mit Gemüse, gesunden Kohlenhydraten und Proteinen zu essen. Falls du Sport in deinen Alltag integrieren kannst, ist das großartig – aber auch Spaziergänge oder andere einfache Formen der Bewegung können einen positiven Einfluss haben. In intensiven, stressigen Phasen, in denen gesunde Routinen schwer beizubehalten sind, ist es wichtig, so schnell wie möglich zu ihnen zurückzukehren.
Zweitens kann es helfen, die Ursachen für belastende Gefühle zu erkennen. Das beginnt damit, dass du deine Gefühle beobachtest und erkennst, was Stress oder Unbehagen auslöst. Wenn es dir schwerfällt, die Ursachen selbst zu erkennen, kann ein regelmäßiges Gespräch mit eine*m Therapeut*in oder Psychiater*in einen großen Unterschied machen. Therapeutische Unterstützung kann helfen, zugrunde liegende Themen wie frühere Traumata, Selbstzweifel oder Erkrankungen, die möglicherweise eine medizinische Behandlung erfordern, zu verarbeiten. Wenn du dich mit den Ursachen und nicht nur mit den Symptomen beschäftigst, kannst du dich geerdeter und besser mit dir selbst im Einklang fühlen, was der Schlüssel zu langfristigem psychischen Wohlbefinden ist.
Eine klassische Therapie mag nicht immer spezifische Antworten auf Herausforderungen innerhalb der Musikindustrie oder die emotionalen Anforderungen öffentlicher Auftritte bieten. Doch es gibt Organisationen, die gezielte Unterstützung anbieten. In Großbritannien gehören die Musicians' Union und Help Musicians zu den Organisationen, die Beratung, Therapie und Support für Musikschaffende anbieten. In den USA bietet die Music Health Alliance verschiedene Formen von gesundheitsbezogenem Support an, einschließlich psychischer Unterstützung.
Dennoch ist uns bewusst, dass viele Herausforderungen über das hinausgehen, was durch Therapie allein bewältigt werden kann. Systemische Probleme wie wirtschaftlicher Druck, Wettbewerb und die ständige Erwartung von Wachstum und Produktivität können nicht durch individuelle Maßnahmen allein gelöst werden. Therapie kann zwar helfen, mit diesen Realitäten umzugehen, doch sie ändert nichts an den grundlegenden Strukturen, in denen wir leben.
Wir haben leider keine einfachen Lösungen für diese Herausforderungen. Aber es kann entlastend sein, sich bewusst zu machen, dass viele Schwierigkeiten nicht persönlich verschuldet sind. Es ist leicht, in die Denkweise zu verfallen, dass keine Leistung genug ist. Doch vergiss nicht, dass dein Wert als Mensch nicht von deinen Leistungen abhängt. Selbst wenn deine Karriere nicht wie geplant verläuft, bedeutet das nicht, dass du als Person versagt hat.
Natürlich ist es wichtig, sich für Ziele einzusetzen und mit Herausforderungen resilient umzugehen. Ein hilfreicher Ansatz kann radikale Akzeptanz sein – die Fähigkeit, Rückschläge anzunehmen und dennoch motiviert zu bleiben. Doch Vorsicht vor der leistungsorientierten Hustle Culture – der ständige Druck, produktiv zu sein, kann leicht zu Burnout, Isolation und dem Gefühl führen, nie genug zu sein.
Stattdessen kann es helfen, bewusst Zeit für Dinge einzuplanen, die das persönliche Wohlbefinden fördern: Ruhe, Erholung und das Engagement in der Community. Letzteres kann besonders wertvoll sein, um sich weniger allein zu fühlen. Gespräche mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen, können das Gefühl der Isolation verringern und neue Perspektiven aufzeigen. Und wenn der Status quo unbefriedigend erscheint, gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden – sei es durch gemeinschaftliches Engagement, ehrenamtliche Arbeit, Spendenaktionen oder das Aufgreifen gesellschaftlicher Themen in der eigenen Kunst.
Wir können auch gar nicht genug betonen, wie wichtig soziale Nähe ist—sei es durch Freund*innen, Familie oder enge Beziehungen. In einem anspruchsvollen Umfeld kann es leicht passieren, dass man sich isoliert fühlt. Mit wachsendem Erfolg kann es zudem herausfordernd sein, zwischen echten und opportunistischen Beziehungen zu unterscheiden. Dabei sind soziale Verbindungen ein zentraler Bestandteil psychischer Gesundheit – etwas, das oft übersehen wird, wenn der Fokus zu stark auf individueller Leistung liegt. Stelle also sicher, dass du genug Zeit mit anderen verbringst und deine engen Beziehungen nicht vernachlässigst.
Es gibt Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um das Risiko psychischer Belastungen zu verringern. Natürlich können unsere Vorschläge nicht jede Herausforderung aus der Welt schaffen. Doch sie können dabei helfen, ein bewusstes, gesundes und erfüllendes Leben als Artist zu führen. Wenn du dein Wohlbefinden in den Vordergrund stellst, kommt das nicht nur deinem Privatleben zugute, sondern sorgt auch dafür, dass du weiterhin kreativ sein und deiner Leidenschaft nachgehen kannst, ohne ständig auszubrennen. Denn eine nachhaltige Karriere beruht nicht nur auf Talent und harter Arbeit, sondern auch darauf, langfristig für sich selbst zu sorgen, damit du langfristig das tun kannst, was du liebst.

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