33 % der Apple Music Uploads und 44 % der Deezer Uploads sind KI-generiert, aber hört das überhaupt jemand?
- Michele
- 11 Mai 2026, Montag
- KI-Musik auf Streaming-Plattformen: Keine Anzeichen eines Rückgangs
- Deezer: 44% der Tracks sind KI-generiert
- Apple Music: Ein Drittel der Tracks sind synthetisch, erhalten aber keine Aufmerksamkeit
- KI-Betrug beim Streaming bleibt ein Problem, aber es scheint unter Kontrolle zu sein
- Was bedeuten diese Zahlen für Artists und welche Schlüsse können sie daraus ziehen?
Laut aktuellen Daten von Deezer und Apple Music steigt die Zahl der KI-generierten Tracks, die auf die Plattformen hochgeladen werden, stetig an. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Menschen, die sich diese Veröffentlichungen tatsächlich anhören, gering. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?
KI-Musik auf Streaming-Plattformen: Keine Anzeichen eines Rückgangs
Diese Woche veröffentlichte Deezer neue Daten zum Anteil der KI-generierten Musik, die auf seine Plattform gelangt. Etwa zur gleichen Zeit gab Oliver Schusser von Apple Music in einem Podcast einen exklusiven Einblick in den Anteil synthetischer Tracks auf der Plattform. Zusammengenommen zeigen die Daten, was viele bereits vermutet haben: Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Anteil KI-generierter Tracks jetzt oder in naher Zukunft zurückgehen wird.
Deezer: 44% der Tracks sind KI-generiert
Werfen wir einen Blick auf die neuen Zahlen. Laut einer aktuellen Pressemitteilung von Deezer erhält die Plattform inzwischen „fast 75.000 KI-generierte Tracks pro Tag, was etwa 44 % der täglichen Uploads entspricht. Das sind mehr als 2 Millionen KI-generierte Tracks pro Monat.“ Diese Zahl ist seit Januar 2026 gestiegen, als synthetische Tracks etwa 39 % aller Deezer-Uploads ausmachten. Allerdings macht vollständig KI-generierte Musik weiterhin nur 1–3 % der Streams auf Deezer aus, und 85 % davon werden als betrügerisch eingestuft.
Alexis Lanternier, CEO von Deezer, kommentiert: „KI-generierte Musik ist kein Randphänomen mehr, und da die täglichen Auslieferungen weiter zunehmen, hoffen wir, dass das gesamte Musik-Ökosystem gemeinsam mit uns Maßnahmen ergreift, um die Rechte von Artists zu schützen und die Transparenz für Fans zu fördern.“
Außerdem geht er auf die Rolle der Erkennungstechnologie ein, die ein zentraler Bestandteil der KI-Musikpolitik von Deezer ist: „Dank unserer Technologie und der proaktiven Maßnahmen, die wir vor mehr als einem Jahr eingeführt haben, haben wir gezeigt, dass es möglich ist, KI-bedingten Betrug und die Verwässerung von Zahlungen im Streaming auf ein Minimum zu reduzieren. Seit Januar stellen wir unsere Erkennungstechnologie zur Lizenzierung zur Verfügung und freuen uns darauf, dass sich Branchenkollegen aller Art uns im Kampf für Fairness im Zeitalter der KI anschließen."
Apple Music: Ein Drittel der Tracks sind synthetisch, erhalten aber keine Aufmerksamkeit
Deezer ist nicht die einzige Plattform, die einen deutlichen Anstieg von KI-generierter Musik verzeichnet. Kürzlich verriet Oliver Schusser, Vizepräsident von Apple Music, in einem Interview im Podcast „On The Record“ von Billboard, dass mehr als ein Drittel der Musik, die jeden Monat auf die Plattform geliefert wird, vollständig durch KI generiert wird. Allerdings erreicht sie nur weniger als 0,5 % der Hörer*innen, was lediglich einen winzigen Teil aller Apple-Music-User ausmacht.
Ähnlich wie Deezer hat auch Apple Music Berichten zufolge eine eigene Technologie zur Erkennung von KI-generierter Musik entwickelt. Das System existiert neben den kürzlich von Apple eingeführten Transparency-Tags, die es Labels und Vertrieben ermöglichen, freiwillig offenzulegen, wenn Inhalte mithilfe von KI erstellt wurden. Der Unterschied zwischen den beiden Systemen liegt darin, wer für die Transparenz sorgt. Die Tags beruhen auf der Selbstauskunft der Rechteinhaber*nnen, während Apples internes Erkennungssystem als unabhängige Überprüfungsinstanz fungiert.
Damit verfolgt Apple einen anderen Ansatz als Spotify, wo Artists und Labels die Möglichkeit haben, den Einsatz von KI in hochgeladenen Tracks von sich aus offenzulegen. Apple hingegen integriert beide Systeme in seine Plattform und signalisiert damit einen deutlich systematischeren Umgang mit der Katalogisierung und Überwachung von KI-Inhalten, als es bisher erkennen ließ.
KI-Betrug beim Streaming bleibt ein Problem, aber es scheint unter Kontrolle zu sein
Apple sprach auch die Rolle an, die KI-generierte Musik beim Streaming-Betrug spielt. Da synthetische Tracks in großem Umfang nahezu kostenlos produziert und hochgeladen werden können, schaffen sie offensichtliche Anreize für künstliches Streaming und die Manipulation von Lizenzgebühren. Die jüngsten Ergebnisse von Deezer zeigen, wie eng die beiden Probleme miteinander verbunden sind: Nach Angaben der Plattform wurden bis zu 85 % der Streams, die mit vollständig KI-generierten Tracks verknüpft waren, als betrügerisch erkannt und anschließend demonetarisiert.
Oliver Schusser zufolge zeigen Apples eigene Systeme jedoch gute Ergebnisse: „Die gute Nachricht ist, dass unsere Betrugsstrafe unglaublich gut funktioniert. Wir haben über die Zeit eine Reduzierung von rund 60 % beim Betrug gesehen, einfach aufgrund der Strafe.“ Für Artists ist das wichtig, da die Reduzierung betrügerischer Streams bedeutet, dass mehr Einnahmen im legitimen Tantiemenpool verbleiben.
Was bedeuten diese Zahlen für Artists und welche Schlüsse können sie daraus ziehen?
Was bedeutet das alles für Artists? Zunächst einmal bestätigt sich, was viele bereits vermutet haben. Hörer*innen reagieren weiterhin stärker auf von Menschen gemachte Musik als auf synthetische Musik. Mit anderen Worten: Persönlichkeit, Kontext und kulturelle Verbindung spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Und das, obwohl die Zahl der von KI generierten Tracks bei den großen Streaming-Diensten rapide zunimmt. Auch wenn die Rolle der KI in der Musik nicht zu ignorieren ist, besteht zumindest im Moment kein Grund zur übermäßigen Besorgnis.
Gleichzeitig beginnen die Plattformen, einen stärker strukturierten Umgang mit KI-Musik zu entwickeln. Von Apples Disclosure Tags bis hin zu internen Erkennungstools scheint sich die Branche auf ein System zuzubewegen, in dem KI-bezogene Inhalte genauer überwacht und gekennzeichnet werden. Für Artists, die KI in ihrem Workflow einsetzen, bedeutet das auch, dass die Erwartungen an Transparenz im Umgang damit steigen.
Dies hat auch finanzielle Auswirkungen für Künstler*innen. Eine bessere Betrugserkennung könnte zu einer gerechteren Verteilung der Einnahmen führen, bei der weniger vom Streaming-Pool durch künstliche Aktivitäten verwässert wird und mehr davon bei echten Hörer*innen und den Künstler*innen hinter der Musik ankommt.
Michele begeistert sich für Musik in den verschiedensten Formen, von Soulful House und Groovy Techno bis hin zu Alternative Rock, Dark Wave und vielem mehr. Mit Erfahrung in den Bereichen Produktion und Journalismus und einem wachsenden Interesse am DJing setzt sich Michele aus vielfältigen Perspektiven mit der Soundkultur auseinander. Zu den aktuellen Themen, die Michele interessieren, gehören Clubkultur, Musikentdeckung und -kuratierung, Tanz sowie die Auswirkungen von Musik auf Wahrnehmung und Gefühl. Michele schreibt auf Englisch.