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Urheberrechtsansprüche auf YouTube: Was du als Artist wissen musst

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Ein Urheberrechtsanspruch auf YouTube kann stressig sein, besonders wenn er die eigene Musik betrifft. Viele Artists befürchten, dass ihre Videos entfernt werden, sie Verwarnungen erhalten oder sogar ihren Kanal verlieren. Die meisten Ansprüche sind jedoch keine Strafen und führen bei richtiger Handhabung selten zu langfristigen Problemen. Dieser Guide erklärt, warum Urheberrechtsansprüche entstehen, wie sie funktionieren und wann du sie anfechten oder verhindern solltest.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Urheberrechtsansprüche sind keine Strafen. Sie werden meist durch das YouTube Content ID-System generiert, das deine Audiodatei mit einer Datenbank registrierter Tracks abgleicht.

  • Artists erhalten häufig Ansprüche auf ihre eigene Musik. Auch wenn du die Musik selbst komponiert hast, kann der automatische Abgleich mit registrierten Aufnahmen einen Anspruch auslösen.

  • Du musst entscheiden, ob du einen Anspruch akzeptierst oder anfechtest. Akzeptiere ihn, wenn die anspruchstellende Person die entsprechenden Rechte besitzt. Wenn der Anspruch unberechtigt ist oder du selbst die Rechte daran besitzt, kannst du ihn anfechten.

  • Urheberrechtsansprüche schaden weder deinem Kanal noch deiner algorithmischen Sichtbarkeit. Sie wirken sich hauptsächlich auf die Monetarisierung und die Nachverfolgung aus, nicht auf die Platzierung in den Suchergebnissen oder den Zustand deines Kanals.

  • Vorbeugung ist möglich. Korrekte Metadaten, die Abstimmung mit dem Vertrieb und eine ordnungsgemäße Dokumentation der Rechte können unnötige Ansprüche reduzieren.

  • Es ist wichtig, den Unterschied zwischen „Strikes“ und „Ansprüchen“ zu verstehen. „Strikes“ sind rechtliche Takedowns mit Konsequenzen. „Ansprüche“ sind administrative Markierungen ohne Strafen.

Was ist ein Urheberrechtsanspruch auf YouTube?

Ein Urheberrechtsanspruch ist YouTubes Art zu sagen: „Jemand glaubt, die Rechte an den Inhalten in deinem Video zu besitzen.“ Es handelt sich dabei nicht um einen Vorwurf eines Fehlverhaltens. Vielmehr ist es oft eine automatische Meldung, die vom YouTube Content ID-System ausgelöst wird.

Content ID ist der digitale Fingerabdruckscanner von YouTube, ein automatisiertes System zur Verwaltung von Urheberrechten. Wenn du ein Video hochlädst, vergleicht das System deine Audio- und Videodaten mit einer riesigen Datenbank urheberrechtlich geschützter Inhalte. Findet es eine Übereinstimmung, generiert es im Namen der rechteinhabenden Person einen Urheberrechtsanspruch. Das geschieht automatisch, ohne menschliche Überprüfung, was erklärt, warum Ansprüche manchmal willkürlich oder falsch erscheinen können.

Musikbezogene Ansprüche kommen besonders häufig vor, da Content ID sehr empfindlich auf Audio reagiert. Schon wenige Sekunden eines Songs, Beats oder Samples können eine Übereinstimmung auslösen. Dem System ist es egal, ob du die ursprüngliche Urheberperson bist. Es meldet einfach Inhalte, die mit etwas übereinstimmen, das bereits in seiner Datenbank registriert ist.

Warum Artists Urheberrechtsansprüche auf ihre eigene Musik erhalten

Einen Urheberrechtsanspruch zu erhalten, kann absurd wirken, denn es ist fast so, als würde YouTube dir sagen, dass jemand anderes Eigentümer deiner Inhalte ist, selbst wenn du die Musik komponiert und den Upload durchgeführt hast. In Wirklichkeit ist dies eines der häufigsten Probleme, mit denen unabhängige Artists konfrontiert sind.

Tatsächlich ist das Musik-Urheberrecht komplex, und das Content ID-System von YouTube versteht nicht immer den Kontext oder die Absicht. Es weiß nicht, wer den Song komponiert hat, wer den Upload durchgeführt hat oder welche Vereinbarungen hinter den Kulissen bestehen. Es gleicht lediglich Audio-Fingerabdrücke mit seiner Datenbank ab und markiert Duplikate.

Deshalb erhalten Artists oft Ansprüche auf ihre eigenen Uploads. Nicht, weil sie etwas falsch gemacht haben, sondern weil das System automatisiert arbeitet und den Kontext nicht versteht. Hier sind die häufigsten Gründe, warum unabhängige Artists Ansprüche für ihre eigenen Inhalte erhalten.

1. Überschneidungen beim Vertrieb

Überschneidungen beim Vertrieb sind oft der Hauptgrund, warum Artists wegen ihrer Musik Claims erhalten. So läuft es normalerweise ab: Du veröffentlichst deinen Track über einen spezialisierten Vertrieb wie iMusician. Dieser Vertrieb liefert ihn an YouTube Music aus und registriert ihn möglicherweise auch in deinem Namen beim YouTube Content ID-System, wenn du diese Option wählst. Das ist eigentlich eine gute Sache, denn es hilft, deine Musik vor unbefugter Nutzung auf YouTube zu schützen.

Möglicherweise lädst du dann aber ein Musikvideo, ein Lyric-Video oder einen Blick-hinter-die-Kulissen-Clip mit genau diesem Song auf deinen persönlichen YouTube-Kanal hoch. Content ID scannt deinen Upload, gleicht ihn mit der registrierten Version ab und markiert ihn. Aus Sicht des Systems sieht es so aus, als würden zwei verschiedene Instanzen dasselbe Audiomaterial verwenden: den registrierten Track deines Vertriebs und deinen Upload auf deinem Kanal. Der Algorithmus weiß nicht, dass du sowohl den Vertrieb nutzt als auch Inhaber*in des Kanals bist. Er erkennt lediglich eine Übereinstimmung und erstellt einen Claim.

Die Lösung: Bei den meisten Vertrieben, wie zum Beispiel iMusician, kannst du deinen YouTube-Kanal auf die Allowlist setzen, damit Content ID keinen Claim für deinen eigenen Upload erstellt. Im Grunde sagst du dem System damit, deine offizielle Artist Page nicht zu kennzeichnen. Die Aufnahme auf die Allowlist ist jedoch oft an die Teilnahme am YouTube-Partnerprogramm (YPP) gebunden, was auch bei iMusician der Fall ist. Wenn dein Konto nicht Teil des Programms ist, musst du die Content ID-Anspruchserhebung akzeptieren und den Vertrieb beauftragen, die Videos in deinem Namen zu monetarisieren.

2. Von Labels oder Mitwirkenden registrierte Content ID

Die Eigentumsverhältnisse bei Musik sind nicht immer eindeutig. Selbst wenn du einen Song schreibst und aufnimmst, hast du möglicherweise nicht 100 % der Rechte daran. Dann kann es kompliziert werden.

Jeder Song hat zwei Urheberrechte: die Masteraufnahme, also die eigentliche Audiodatei, und die Komposition, also die Melodie, der Text und die Akkorde. Wenn du als Artist unahbängig bist und alles selbst aufgenommen hast, gehören dir wahrscheinlich beide.

Wenn du aber mit einem Label zusammengearbeitet hast, könnte dieses die Rechte am Master besitzen. Wenn du den Song gemeinsam mit jemandem geschrieben hast, könnte diese Person einen Teil der Komposition besitzen. Wenn du mit einem Verlag zusammengearbeitet hast, könnte dieser die Verlagsrechte kontrollieren. Jede dieser Parteien kann den Track bei Content ID registrieren. Wenn sie das tun, können sie Videos claimen, in denen der Track verwendet wird, einschließlich deiner eigenen.

Was du tun solltest: Kommunikation ist entscheidend. Wenn du mit Labels, Verlagen oder anderen Mitwirkenden zusammenarbeitest, sprich die Content ID-Registrierung im Vorfeld ab. Kläre, wer den Track registrieren wird, und stelle sicher, dass dein YouTube-Kanal bei Bedarf auf die Allowlist gesetzt wird. Wenn ein Claim von einem legitimen Kooperationspartner kommt, wende dich direkt an ihn, anstatt den Claim über YouTube anzufechten. Das geht schneller und schont die Beziehung.

3. Sampling, Beats oder lizenzierte Sounds

Dies ist eine der häufigsten und am meisten missverstandenen Ursachen für Urheberrechtsansprüche, besonders wenn Beats, Samples oder lizenzierte Sounds verwendet werden.

Ein typisches Szenario sieht so aus: Du kaufst online einen Beat, nimmst deinen Gesang darüber auf und lädst den fertigen Song auf YouTube hoch. Kurz darauf erhältst du einen Urheberrechtsanspruch, nicht wegen deines Gesangs, sondern wegen der Instrumentalbegleitung.

Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe. Der Beat kann bereits bei Content ID registriert worden sein. Auch ein darin verwendeter Loop oder ein Sample kann von einer dritten Partei registriert worden sein. Außerdem beinhaltet deine Lizenz möglicherweise nicht das Recht, den Track über Content ID zu monetarisieren.

Type-Beats und Tags von Produzent

Type-Beats, also Beats, die sich stilistisch an einem bestimmten Artist oder einer bestimmten musikalischen Richtung orientieren, können besonders anfällig für Claims sein, wenn sie bei Content ID registriert und anschließend lizenziert oder mehrfach verkauft werden. Wenn Producer solche Beats bei Content ID registrieren und sie anschließend an mehrere Artists lizenzieren, könnten mehrere Artists einen Claim erhalten, wenn sie ihre Songs auf YouTube hochladen. Manche Producer fügen ihren Beats außerdem gezielt Tags oder Wasserzeichen hinzu, um Content ID auszulösen und sicherzustellen, dass sie als Urheber*innen genannt werden, auch nach dem Verkauf einer Lizenz.

Lizenzfreie Loops und Produktionspakete

Hier gibt es ein großes Missverständnis: „Lizenzfrei“ heißt nicht „ohne Urheberrecht“. Wenn du einen Loop von Splice, Loopcloud oder einer anderen Sample-Bibliothek verwendest und dieser Loop in Tausenden von Tracks anderer Produzent*innen vorkommt, könnte Content ID ihn markieren. Die Person, die den Loop erstellt hat, oder die Plattform selbst, hat ihn möglicherweise registriert.

Lizenzierte Samples aus anderen Songs

Selbst ordnungsgemäß geklärte Samples können Claims auslösen. Wenn du zum Beispiel einen Funk-Track aus den 1970er Jahren gesampelt und die Erlaubnis de*r Rechteinhaber*in eingeholt hast, könnte das YouTube-System dein Video trotzdem claimen, weil es die Originalaufnahme in deinem Song erkennt. Selbst mit einer ordnungsgemäßen Lizenz musst du möglicherweise Einspruch einlegen oder dich mit de*r ursprünglichen Rechteinhaber*in abstimmen.

Was du tun kannst: Bewahre immer deine Belege oder Nachweise für deine Lizenzen auf, z. B. E-Mail-Bestätigungen, Lizenzverträge und Kaufbelege. Wenn du einen Claim erhältst, kannst du bei deiner Anfechtung auf diese Unterlagen verweisen. Noch besser: Frag d*ie Produzent*in oder die Plattform im Voraus nach ihren Content ID-Richtlinien. Manche Produzent*innen setzen Käufer*innen von Beats auf eine Allowlist. Andere registrieren ihre Beats gar nicht erst, um dieses Problem zu vermeiden.

4. Cover-Songs und Remixe

Wenn du deine eigene Version eines fremden Songs aufnimmst, gehört dieser noch lange nicht dir, zumindest nicht vollständig. Wenn du einen Song coverst, erstellst du eine neue Masteraufnahme, die dir gehört, aber du besitzt nicht die zugrunde liegende Komposition. Ein*e Songwriter*in oder der Verlag kann weiterhin die Kontrolle über Melodie, Text und Akkorde behalten. Und diese können dein Video über Content ID claimen.

Das ist völlig legal und zu erwarten. Inhaber*innen von Verlagsrechten nutzen Content ID, um Coverversionen auf YouTube zu monetarisieren. Dein Cover kann online bleiben, aber die Werbeeinnahmen gehen an den ursprünglichen Songwriter oder dessen Verlag, nicht an dich.

Mechanische Lizenzen und YouTube

Wenn du dein Cover über einen Dienst wie iMusician vertreibst, besorgen sie dir in der Regel eine mechanische Lizenz, die es dir erlaubt, die Aufnahme auf Streaming-Plattformen zu veröffentlichen. Diese Lizenz deckt jedoch nicht automatisch die Monetarisierung auf YouTube ab. Tatsächlich können Tracks, bei denen es sich um Cover, Medleys oder Remixe von Songs anderer Artists handelt, nicht über YouTubes Content ID monetarisiert werden. Die Rechteinhabenden der Komposition können dein Video dennoch claimen und die Werbeeinnahmen erhalten. Das ist keine Verletzung deiner Rechte. So funktioniert das Urheberrecht an Musik.

Remixe und Mashups

Offizielle Remixe, bei denen du die Erlaubnis des Original-Artists hast, können trotzdem geclaimt werden, da du dabei die Komposition oder den Master eines anderen verwendest. Inoffizielle Remixe und Mashups sind noch heikler. Du verwendest urheberrechtlich geschütztes Material ohne entsprechende Lizenz, daher sind Ansprüche sehr wahrscheinlich. In diesen Fällen ist es am besten, den Anspruch zu akzeptieren, es sei denn, du hast dir eine ausdrückliche Freigabe gesichert.

Interpolation

Wenn du die Melodie oder den Text eines Songs veränderst, dabei aber die gleiche Struktur oder erkennbare Elemente beibehältst, kann es sich um eine Interpolation handeln. Dafür benötigst du in der Regel die Erlaubnis der Rechteinhabenden der ursprünglichen Komposition. Content ID erkennt eine solche Nutzung möglicherweise oder auch nicht, je nachdem, wie nah deine Version am Original ist. Rechtlich kann trotzdem eine entsprechende Freigabe erforderlich sein.

Was du tun solltest: Wenn du einen Upload mit Cover-Versionen veröffentlichst, rechne mit Ansprüchen und ficht sie nicht an, es sei denn, sie sind unberechtigt, zum Beispiel wenn jemand anderes als die tatsächlich berechtigte Partei den Anspruch erhebt. Wenn du Coverversionen monetarisieren möchtest, informiere dich über die entsprechenden Lizenzvereinbarungen oder konzentriere dich auf Songs, bei denen du direkt mit den Rechteinhabenden verhandeln kannst. Bei Remixen und Mashups solltest du dir bewusst sein, dass Ansprüche häufig dazugehören. Dein Video kann online bleiben, aber du erzielst möglicherweise keine Werbeeinnahmen, es sei denn, du hast die erforderlichen Rechte im Voraus geklärt.

5. Missverständnisse rund um die Public Domain

Viele denken vielleicht: „Es ist klassische Musik, also darf man sie frei verwenden, oder?“ Nun, nicht ganz. Nur weil ein klassisches Stück alt ist, heißt das nicht, dass jede Aufnahme davon frei verwendet werden darf. Ein Musikstück kann gemeinfrei sein, was bedeutet, dass die Komposition selbst nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist. Beethovens Fünfte Symphonie zum Beispiel wurde Anfang des 19. Jahrhunderts komponiert und ist daher gemeinfrei. Das heißt aber nicht, dass jede Aufnahme davon frei verwendet werden darf.

Wenn du eine Aufnahme eines modernen Orchesters verwendest, zum Beispiel eine Aufführung der Berliner Philharmoniker aus dem Jahr 2015, ist diese Aufnahme urheberrechtlich geschützt. An dieser konkreten Aufnahme können verschiedene Rechte bestehen, etwa durch das Orchester, den Dirigent*innen, das Label oder die an der Produktion beteiligten Personen. Content ID kann eine solche Aufnahme erkennen und einen Claim auslösen. Die gleichen Regeln gelten unter anderem auch für Jazz-Standards und alte Blues-Aufnahmen.

Solche Tracks von YouTube, Spotify oder einer beliebigen Website herunterzuladen und anzunehmen, sie seien kostenlos, nur weil das Stück alt ist, ist ein häufiger Fehler. Sofern du keine Aufnahme verwendest, die ausdrücklich als gemeinfrei gekennzeichnet ist, und selbst dann solltest du die Quelle überprüfen, nutzt du möglicherweise urheberrechtlich geschütztes Material.

Was du tun kannst: Wenn du klassische Musik, Jazz oder andere ältere Musik verwenden möchtest, erstelle entweder deine eigene Aufnahme oder beziehe sie aus einem seriösen Archiv für gemeinfreie Werke wie Musopen oder dem Internet Archive. Wenn du einen Urheberrechtsanspruch für Material erhältst, von dem du dachtest, es sei gemeinfrei, prüfe den Anspruch sorgfältig. Wahrscheinlich bezieht sich der Anspruch auf eine urheberrechtlich geschützte Aufnahme und nicht auf die gemeinfreie Komposition.

Urheberrechtsanspruch vs. Antrag auf Entfernung wegen Urheberrechtsverletzung

Bevor wir weitermachen, müssen wir einen wichtigen Unterschied klären: Ein Content ID-Urheberrechtsanspruch und ein Antrag auf Entfernung urheberrechtlich geschützter Inhalte, auch als Urheberrechts-Takedown bezeichnet, sind nicht dasselbe. Die beiden zu verwechseln, kann zu unnötiger Panik führen.

Wie bereits erwähnt, ist ein Urheberrechtsanspruch eine automatische Meldung, die von Content ID im Auftrag der Rechteinhabenden ausgelöst wird. Sie wird nicht direkt von einer Rechteinhaberperson eingereicht und ist keine rechtliche Strafe.

Anträge auf Entfernung hingegen sind formelle rechtliche Mitteilungen, die nach dem Urheberrecht, insbesondere dem DMCA, eingereicht werden. Sie werden direkt bei YouTube von Rechteinhabenden eingereicht, die feststellen, dass ihre urheberrechtlich geschützten Inhalte ohne ihre Erlaubnis verwendet werden. Wenn ein Antrag als gültig erachtet wird, entfernt YouTube das Video und verhängt einen Urheberrechts-Strike gegen den Kanal. Dabei handelt es sich um eine formelle Maßnahme, die von YouTube durchgesetzt wird. Drei aktive Strikes können zur Löschung des Kanals führen.

Urheberrechtsanspruch

  • Automatische Meldung durch Content ID

  • Dein Video bleibt online, sofern es nicht von den Rechteinhabenden gesperrt wird
  • Keine Auswirkungen auf deinen Kanalstatus
  • Kann sich möglicherweise auf die Monetarisierung auswirken
  • Kann angefochten werden
  • Häufig und routinemäßig

Urheberrechtsverstoß

  • Formeller rechtlicher Antrag bzw. DMCA-Takedown

  • Dein Video wird entfernt, wenn der Antrag auf Entfernung als gültig angesehen wird

  • Führt zu einem Strike gegen deinen Kanal

  • Drei aktive Strikes können zur Löschung des Kanals führen

  • Erfordert eine formelle Gegendarstellung, wenn du die Entfernung anfechten möchtest

  • Schwerwiegender und seltener

Was passiert, wenn du einen Urheberrechtsanspruch erhältst?

Wenn du eine Benachrichtigung über einen Urheberrechtsanspruch siehst, kannst du erst einmal aufatmen. Du bist nicht in Schwierigkeiten. Aber du solltest verstehen, was gerade passiert, und entscheiden, wie du darauf reagieren möchtest.

Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Ein Urheberrechtsanspruch:

  • führt nicht zu einem Urheberrechts-Strike
  • schadet deinem Kanal nicht
  • schränkt deinen Zugriff auf YouTube-Features nicht ein
  • hat keinen Einfluss darauf, wie der Algorithmus dein Video bewirbt

Deine Inhalte werden nicht mit einem „Shadowban“ belegt, herabgestuft oder ausgeblendet. Stattdessen bleiben sie online, durchsuchbar und teilbar. Abonnent erhalten weiterhin Benachrichtigungen darüber. Der Algorithmus behandelt sie grundsätzlich wie ein Video ohne Anspruch.

Was sich ändern kann, hängt von den Content ID-Einstellungen der Rechteinhabenden ab. Dabei können sie sich dafür entscheiden:

  • die Aufrufstatistiken des Videos zu tracken, den Inhalt aber auf der Plattform zu belassen
  • das Video für die Wiedergabe zu sperren
  • am häufigsten: das Video zu monetarisieren und Werbeeinnahmen daraus zu erzielen, wobei die Einnahmen manchmal mit dem Uploader geteilt werden

Jede dieser Maßnahmen kann regionsspezifisch sein. Das bedeutet, dass ein Video in einem Land oder einer Region blockiert, in einem anderen jedoch nicht, oder in einer Region getrackt und/oder blockiert und in einer anderen nicht. Wenn du diese möglichen Folgen verstehst, kannst du besser entscheiden, ob es sich lohnt, einen Anspruch anzufechten oder ihn einfach zu akzeptieren.

So gehst du mit einem Urheberrechtsanspruch auf YouTube um

Lass uns den eigentlichen Ablauf der Bearbeitung eines Claims durchgehen. Das ist nicht kompliziert, erfordert aber Sorgfalt bei den Details.

Schritt 1: Prüfe die Details des Anspruchs

Bevor du irgendetwas unternimmst, sammle Informationen. Geh zu YouTube Studio, klick auf den Tab „Inhalte“ und suche nach Videos mit Hinweisen zum Urheberrecht. Klick auf den Claim, um Folgendes zu überprüfen:

Wer hat den Anspruch eingereicht? Ist es dein Vertrieb? Ein Label, mit dem du zusammengearbeitet hast? Ein Unternehmen, von dem du noch nie gehört hast? Daran erkennst du, ob der Claim berechtigt ist oder irrtümlich eingereicht wurde.

Welcher Teil des Videos ist betroffen? YouTube zeigt dir einen Zeitstempel an. Wird die gesamte Audiospur geclaimt oder nur ein Ausschnitt? Wenn es sich um ein zehnsekündiges Intro handelt, das du nicht erstellt hast, ist das etwas anderes als ein Claim auf deinen eigenen Song.

Welche Rechte werden geclaimt? Bezieht sich der Anspruch auf die Tonaufnahme, also die Masterrechte, die Komposition, also die Verlagsrechte, oder auf beides? Wenn du das verstehst, kannst du besser einschätzen, ob der Claim berechtigt ist.

Mach Screenshots und notiere dir Namen, Zeitstempel und die Art des Anspruchs. Diese Dokumentation ist wichtig, falls du die Angelegenheit eskalieren musst.

Schritt 2: Entscheide, ob du den Anspruch akzeptierst oder anfechtest

Nicht jeder Claim ist es wert, angefochten zu werden. So triffst du die Entscheidung.

Wenn die anspruchstellende Person oder Organisation die entsprechenden Rechte besitzt, etwa dein Vertrieb, der deinen Track bei Content ID registriert hat, oder wenn du Inhalte verwendet hast, die dir nicht gehören, zum Beispiel einen Beat, ein Sample oder ein Cover, ist es oft am klügsten, den Claim zu akzeptieren. So bleibt dein Video online, du vermeidest Konflikte und kannst weitermachen.

Wenn sich der Claim auf deinen zu 100 % eigenen Inhalt bezieht und von einer Partei eingereicht wurde, die nicht die entsprechenden Rechte besitzt, solltest du widersprechen. Wenn du die ausdrückliche Erlaubnis hast, den Inhalt zu nutzen, zum Beispiel durch eine Lizenz für einen Beat, solltest du ebenfalls Widerspruch einlegen. Wenn der Anspruch von deinem Vertriebspartner stammt, du das Video aber selbst monetarisieren möchtest, musst du dich möglicherweise direkt mit dem Vertrieb abstimmen, anstatt über YouTube Widerspruch einzulegen.

Sei realistisch. Einsprüche sind keine Garantie. Die anspruchstellende Partei prüft deinen Einspruch und kann den Claim aufrechterhalten oder aufheben. Wenn es sich um ein großes Label mit strengen Content ID-Richtlinien handelt, könnte es deinen Einspruch ablehnen, selbst wenn du rechtlich im Recht bist. Sei dir dessen im Voraus bewusst.

Ein Hinweis von uns: Wenn du einen Content ID-Anspruch für deinen eigenen Track erhältst, der von deinem Vertrieb an YouTube ausgeliefert wurde, und du nicht am YouTube-Partnerprogramm teilnimmst, gibt es in der Regel keinen praktischen Grund, den Claim anzufechten. Das bedeutet einfach, dass dein Vertrieb deine Rechte auf den Plattformen verwaltet und das Video in deinem Namen monetarisiert, wobei die Einnahmen gemäß deinem Vertriebsvertrag an dich ausgezahlt werden.

Schritt 3: So legst du Widerspruch gegen einen Urheberrechtsanspruch ein

Bist du bereit, Einspruch einzulegen? So geht’s:

Suche in YouTube Studio das beanstandete Video und klicke neben dem Claim auf „Details anzeigen“. Dort siehst du die Schaltfläche „Anfechten“. Klicke darauf, und YouTube fordert dich auf, einen Grund auszuwählen. Für Artists sind die häufigsten Gründe:

  • „Ich habe eine Lizenz oder die Erlaubnis der berechtigten Partei, dieses Material zu verwenden.“
  • „Mein Video stellt eine faire Nutzung des Inhalts dar.“
  • „Ich besitze das Urheberrecht an diesem Inhalt.“

Achte darauf, die richtige Option ehrlich auszuwählen. Wenn du der ursprüngliche Artist bist und die Rechte an dem Inhalt besitzt, wähle „Ich besitze das Urheberrecht“. Wenn du einen Beat lizenziert hast, wähle „Ich habe eine Lizenz“ und halte einen Nachweis über die Lizenz bereit.

YouTube wird dich dann um weitere Informationen bitten. Entscheidend ist, dass du dich klar, konkret und professionell ausdrückst. Erläutere die Situation in einfacher Sprache, zum Beispiel:

„Ich bin der ursprüngliche Artist und besitze die Rechte an diesem Song. Er wurde von [Name des Vertriebs] gemeldet, weil ich ihn über dessen Dienst verbreitet habe, der Content ID nutzt. Ich beantrage die Aufhebung des Claims, damit ich dieses Video auf meinem eigenen Kanal monetarisieren kann.“

Oder:

„Ich habe am [Datum] eine Lizenz für diesen Beat von [Name] erworben. Den Kaufbeleg habe ich beigefügt. Ich besitze die erforderlichen Rechte, diesen Beat in meinem Video zu verwenden.“

Was du nicht sagen solltest: Sei nicht vage („Das ist meine Musik, hebt den Claim auf“), sei nicht aggressiv oder drohend („Ich werde euch deswegen verklagen“) und lüge oder übertreibe nicht. YouTube und die anspruchstellende Partei prüfen diese Streitfälle, und Glaubwürdigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Sobald du den Anspruch anfechtest, hat die anspruchstellende Partei 30 Tage Zeit, um zu antworten. Wenn der Claim zurückgezogen wird, ist die Angelegenheit geklärt. Wird er aufrechterhalten, bleibt der Anspruch bestehen. Erfolgt innerhalb von 30 Tagen keine Antwort, wird der Claim automatisch zurückgezogen.

Schritt 4: Was passiert, wenn der Widerspruch abgelehnt wird?

Es kann vorkommen, dass du Einspruch einlegst und der Claim abgelehnt wird. Was nun? Du hast zwei Möglichkeiten: erneut Einspruch einzulegen oder es auf sich beruhen zu lassen.

Ein weiterer Einspruch ist eine formelle Eskalation. Wenn du erneut Einspruch einlegst und der Claim weiterhin abgelehnt wird, kann die anspruchstellende Partei einen Urheberrechtsverstoß melden. Das ist die weitaus ernstere Situation, die wir zuvor besprochen haben. Einen weiteren Einspruch solltest du nur einlegen, wenn du absolut sicher bist, dass du im Recht bist, und über Unterlagen verfügst, die dies belegen.

Oft ist es klüger, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Wenn die finanziellen Auswirkungen minimal sind oder der Streit dich mehr Zeit und Energie kostet, als er wert ist, zieh weiter. Lass das Video online, akzeptiere den Claim und konzentriere deine Energie auf neue Inhalte.

Wann du rechtlichen Rat einholen solltest: Wenn der Claim erhebliche Einnahmen blockiert oder du mit wiederholten unberechtigten Ansprüchen konfrontiert bist, die die Existenz deines Kanals gefährden, wende dich an eine auf Musik- oder Urheberrecht spezialisierte Rechtsberatung. Das kommt bei unabhängigen Artists selten vor, ist aber eine Option, wenn viel auf dem Spiel steht.

So beugst du zukünftigen Urheberrechtsansprüchen vor

Zwar ist kein System perfekt, doch können Artists zukünftige Probleme erheblich reduzieren. Das Wichtigste ist dabei die Vorbeugung. Content ID ist nicht perfekt, und Fehler können immer passieren, aber die folgenden Schritte verringern dein Risiko für zukünftige Ansprüche erheblich:

  • Genauigkeit der Metadaten: Stell sicher, dass deine Track-Titel, Artist-Namen und ISRC-Codes auf allen Plattformen einheitlich sind. Nicht übereinstimmende Metadaten können Content ID verwirren und Ansprüche auslösen.
  • Abstimmung mit dem Vertrieb und Content ID: Wenn du über einen Dienst vertreibst, der Content ID nutzt, mach dich mit dessen Richtlinien vertraut. Bei manchen Vertrieben kannst du deinen eigenen YouTube-Kanal auf die Allowlist setzen, damit keine Ansprüche gegen dich geltend gemacht werden. Frag bei deinem Vertrieb nach und richte das nach Möglichkeit ein.
  • Rechte korrekt registrieren: Wenn du Eigentümer*in deiner Masteraufnahmen und Verlagsrechte bist, stelle sicher, dass du selbst diese bei Content ID registrierst und nicht ein Dritter. Wenn du mit einem Label oder Verlag zusammenarbeitest, kläre schriftlich, wer welche Rechte kontrolliert.
  • Vermeide nicht lizenzierte Samples: Verwende keine Beats, Loops oder Samples, für deren Nutzung du keine ausdrückliche Genehmigung hast. Wenn du einen Beat kaufst, bewahre deine Quittung und den Lizenzvertrag auf. Wenn du einen Song sampelst, kläre die Rechte ordnungsgemäß ab, sonst musst du mit Ansprüchen rechnen.
  • Kommunikation mit Mitwirkenden: Wenn du gemeinsam an einem Song schreibst oder ihn gemeinsam produzierst, stell sicher, dass sich alle einig sind, wer den Track bei Content ID registriert. Wenn mehrere Parteien denselben Song registrieren, ist das ein sicherer Weg zu Claims.

Fazit: So gehst du mit Urheberrechtsansprüchen auf YouTube um

Urheberrechtsansprüche auf YouTube können frustrierend sein, sind aber kein Weltuntergang. Sie gehören ganz normal dazu, wenn man sich auf einer Plattform bewegt, auf der automatisierte Systeme täglich Millionen von Uploads verwalten. Das Wichtigste ist, zu verstehen, was vor sich geht, ruhig zu bleiben und die richtigen Maßnahmen für deine konkrete Situation zu ergreifen.

Denk vor allem daran: Ansprüche sind keine Verwarnungen. Dein Kanal ist sicher, dein Video bleibt online, und in den meisten Fällen lässt sich das Problem lösen.

YouTube ist nach wie vor eine der leistungsstärksten Plattformen für unabhängige Artists, und mit der richtigen Herangehensweise kannst du dir dort ein echtes Publikum aufbauen. Lass dich nicht von der Angst vor Urheberrechtsansprüchen zurückhalten.

Wenn du deine Musik über einen Vertrieb veröffentlichst und sicherstellen möchtest, dass du bei Content ID und der YouTube Monetisierung richtig eingerichtet bist, bietet iMusician Tools und Support, die dir helfen, diese Herausforderungen zu meistern und die Kontrolle über deine Rechte zu behalten.

Weitere Einblicke findest du in unserem Guide YouTube Music für Anfänger*innen oder in unserem Artikel darüber, wie du deine YouTube-Music-Einnahmen maximieren kannst.

Häufig gestellte Fragen

Ja, es kommt häufig vor, dass Artists aufgrund automatisierter Systeme Urheberrechtsansprüche für ihre eigene Musik erhalten. Content ID von YouTube überprüft nicht die Identität des Uploaders. Das System identifiziert lediglich Audioübereinstimmungen in seiner Datenbank. Wenn deine Musik über einen Vertrieb wie iMusician registriert ist, kann das System dein Video markieren, weil es eine Übereinstimmung zwischen deinem Upload und der von deinem Vertrieb registrierten Version feststellt.

Ob du einen Anspruch anfechten oder akzeptieren solltest, hängt ganz von der Gültigkeit des jeweiligen Anspruchs ab.

Akzeptiere den Anspruch, wenn die anspruchstellende Partei rechtmäßig die Rechte an den Inhalten besitzt, z. B. ein Verlag bei einem Cover-Song oder ein Producer, dem der von dir lizenzierte Beat gehört.

Widersprich dem Anspruch, wenn die Musik zu 100 % dein eigenes Werk ist, wenn du eine ausdrückliche Lizenz hast, die auch das Recht zur Monetarisierung umfasst, oder wenn der Anspruch irrtümlich erfolgt ist.

Nein, ein normaler Urheberrechtsanspruch führt nicht zu einem Urheberrechts-Strike und hat keine negativen Auswirkungen auf deine Reichweite. Dein Video bleibt online, und der YouTube-Algorithmus wird es den Zuschauer wie gewohnt weiterempfehlen. Die Hauptauswirkung eines Anspruchs beschränkt sich in der Regel auf die Monetarisierung, wobei Werbeeinnahmen möglicherweise an die rechteinhabende Person umgeleitet werden.

Ein Urheberrechtsanspruch bleibt auf unbestimmte Zeit aktiv, es sei denn, er wird manuell aufgehoben oder erfolgreich angefochten. Wenn du dich entscheidest, einen Anspruch anzufechten, hat der Anspruchsteller 30 Tage Zeit, um darauf zu reagieren. Tut er dies nicht, wird der Anspruch automatisch aufgehoben. Es gibt kein „Ablaufdatum“ für einen gültigen Anspruch, den du akzeptiert hast.

Es gibt keine Begrenzung für die Anzahl der Urheberrechtsansprüche, die ein Kanal erhalten kann, da es sich dabei nicht um Strafen handelt. Im Gegensatz zu Urheberrechts-Strikes, bei denen drei aktive Strikes zur Löschung des Kanals führen können, sind Ansprüche lediglich administrative Markierungen, die sich in der Regel auf die Monetarisierung und Nachverfolgung auswirken. Du kannst Hunderte von Ansprüchen auf einem einzigen Kanal haben, ohne dass dieser gelöscht wird.

Ja, YouTube ist eine sichere und wichtige Plattform für unabhängige Artists, um Musik zu veröffentlichen und ein Publikum aufzubauen, wenn sie das Content ID-System verstehen. Auch wenn der automatisierte Prozess rund um Urheberrechtsansprüche zunächst beunruhigend wirken kann, ist er der Mechanismus, der sicherstellt, dass Rechteinhaber für die Nutzung ihrer Inhalte vergütet werden. Durch den Einsatz von Allowlist-Tools und die Führung klarer Aufzeichnungen über Lizenzen können unabhängige Artists ihr Publikum auf YouTube sicher vergrößern.

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Martina
Martina

Martina ist eine in Berlin ansässige Musikjournalistin und Spezialistin für digitale Inhalte. Sie begann im Alter von sechs Jahren Geige zu spielen und war zehn Jahre lang in der klassischen Musik tätig. Heute schreibt sie über Musik, die Industrie, Streaming und faire Bedingungen für Künstler*innen.