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100.000 Einsendungen später: Wonach Musikkurator*innen suchen

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Worauf achten Musikkurator*innen eigentlich? Oren Sharon, Gründer des Dienstes für Musikpromotion One Submit, teilt seine Erkenntnisse in einem Gastbeitrag für iMusician.

Wonach Musikkurator*innen suchen

Ich habe diese Situation schon unzählige Male erlebt. Ein*e Künstler*in steckt wochenlang Arbeit in einen Track, schreibt ein Pitch, ucht sich eine große Playlist aus, drückt auf „Senden" – und bekommt eine Absage. Währenddessen schickt jemand ohne Follower etwas Frisches ein und landet noch am selben Tag auf einem der vorderen Plätze. Wie?

Wir haben das hier tatsächlich einmal ausgerechnet. Über 2.200 Kurator*innen auf One Submit und mehr als 100.000 Einsendungen. Das Muster, das sich dabei abzeichnet, ist fast schon ärgerlich einfach. Vielleicht denkst du, es liegt an deinem Pitch oder deiner Followerzahl, dem Label in deiner Bio oder dem Erfolg deiner letzten Single. Tut es aber nicht. Und es liegt auch nicht an deinem Branding oder deiner Streaming-Historie. Es kommt auf den Song an.

Wollen Kurator*innen deine Musik überhaupt?

Das sollte mal klargestellt werden, denn viele Artists gehen vom Schlimmsten aus. Kurator*innen werden oft als gelangweilte Gatekeeper dargestellt, die Einsendungen schnell ablehnen. Das stimmt aber nicht. Kurator*innen sind Menschen, die in diesem Bereich gelandet sind, weil sie es lieben, neue Musik zu entdecken, die noch niemand gehört hat – echte Fans, die ihre Playlists wie etwas behandeln, das sie über die Zeit aufgebaut und geprägt haben. Es ist schon ein gewisser Stolz dabei, bei etwas von Anfang an dabei zu sein, das später richtig durchstartet.

Man hört oft die zynische Meinung: „Die machen das doch nur wegen des Geldes." Das mag für einen kleinen Teil der Leute zutreffen. Die anderen 99 % wollen wirklich den nächsten guten Track in ihrem Posteingang haben, und dass ihre Playlist diejenige ist, zu der die Hörer*innen immer wieder zurückkehren. Ein toller Song von einer unbekannten Person macht ihren Tag besser. Deiner könnte es sein.

Was dazu führt, dass du abgelehnt wirst

Die meisten Ablehnungen lassen sich auf eine Handvoll Gründe zurückführen, und es sind immer wieder dieselben. Kurator*innen haben alle Hände voll zu tun. Viele von ihnen managen mehrere Playlists gleichzeitig und gehen jede Woche Dutzende von Einsendungen durch, daher haben sie sich angewöhnt, schnell zu entscheiden. Wirklich schnell. Wenn ein Track nicht innerhalb von etwa fünfzehn Sekunden Aufmerksamkeit erregt, ist er meist schon raus.

Wenn ein Song abgelehnt wird, hat das meist dieselben Gründe: Die Produktion ist nicht stark genug, der Hook ist schwach oder das Intro überzeugt nicht, der Track passt nicht zur Stimmung der Playlist oder der Mix klingt im Vergleich zu anderen Songs in der Playlist amateurhaft.

Schau dir an, was nicht dabei ist. Für unabhängige Kurator*innen spielen Follower, Labels, Kontakte und Budget keine Rolle. Ob großer Name oder völlig unbekannt – die Messlatte ist für alle gleich, und diese Messlatte besteht aus einer einzigen Frage: Macht der Song die Playlist besser? Das ist alles.

Wie Kurator*innen entscheiden, wo du landest

Es ist wichtig, aufgenommen zu werden, aber genauso wichtig ist es, wo du aufgenommen wirst. Auf den ersten paar Plätzen findet das eigentliche Hören statt, und dort kommen auch die Streams her. Wenn du ganz unten auf der Liste versinkst, hast du es zwar technisch gesehen geschafft, aber fast niemand hört dich.

Wie also wird die Rangliste erstellt? Wir haben nachgefragt. Die Antwort lautet immer in etwa gleich: Sie setzen die Songs, die sie lieben, ganz nach oben. Es gibt keine klare Formel oder Bewertungsliste, sondern nur das Bauchgefühl. Je stärker ihre Reaktion, desto höher klettert man.

Was „gut" für Kurator*innen wirklich bedeutet

Klar, „gut" klingt vielleicht etwas vage. Aber in all dem Feedback, das wir von Kurator*innen bekommen, tauchen immer wieder dieselben Eigenschaften auf, wenn ein Track richtig gut ankommt.

An erster Stelle steht die Produktion. Kurator*innen leben quasi in ihren eigenen Playlists. Sie haben jeden Track schon hundertmal gehört und wissen genau, wie das Ganze klingen soll. Wenn dein Track dünner oder rauer klingt als das, was bereits drin ist, bist du raus – egal, wie gut der Song an sich ist. Abgesehen von der einen oder anderen experimentellen oder alternativen Playlist gilt das für jedes Genre.

Zweitens: eine starke Hook. Die Entscheidung fällt in den ersten fünfzehn oder zwanzig Sekunden. Ein langes Intro ohne Belohnung wird übersprungen. Die Gewinner*innen legen einen starken Start hin – mit einem sofortigen Energieschub, einem Sound, der ins Ohr geht, oder einer Melodie, die im Gedächtnis bleibt. Ob es nun ein kraftvolles Gitarrenriff, eine tiefe Basslinie, ein Gesang ist, der sich durchsetzt, oder ein Drum-Groove, der nicht mehr aus dem Kopf geht – irgendetwas muss dich schon früh packen. Das sind die Tracks, die nach oben klettern.

Drittens: die passende Genrezuordnung. Hier stolpern die meisten Artists. Unsere Musikkurator*innen decken das gesamte Spektrum an Genres ab, und die meisten haben eine klare Vorstellung davon, was in ihre Playlist gehört. Wir haben Leute, die Playlists für Rock und Progressive Rock, Hip-Hop und Trap, Indie-Folk und Singer-Songwriter, Country, Blues, Soul und Funk, Punk, Post-Punk und Emo, Metal und Grunge sowie die gesamte Welt der elektronischen Musik zusammenstellen. Jede*r von ihnen hütet ein bestimmtes Gefühl. Ein Singer-Songwriter, der akustische Balladen singt, hat in einer Techno-Playlist nichts zu suchen, und einen Popsong bei eine*r Dark-Ambient-Kurator*in einzureichen, verschwendet nur die Zeit aller Beteiligten. Wenn du die Zielgruppe genau triffst, zeigst du damit, dass du respektierst, was sie machen. Wenn du dein Genre nicht genau einordnen kannst, such dir eine*n ähnliche*n Künstler*in oder eine ähnliche Band und schau dir an, wie deren Sound getaggt ist.

Viertens gibt es den Teil, den niemand so recht messen kann: das Gefühl. Kurator*innen sprechen das ständig an. Gibt es einen Moment, der heraussticht oder der noch nach dem Ende des Songs im Gedächtnis bleibt? Eine solide Produktion und klare Instrumentals verschaffen dir den Einstieg. Was Tracks wirklich auszeichnet, ist, ob sie eine emotionale Reaktion hervorrufen, die über das erste Anhören hinaus anhält. Es braucht Zeit, diesen Teil zu meistern, und man kann ihn nicht vortäuschen – aber er macht den Unterschied zwischen einem okayen Track und einem, an den sich die Leute tatsächlich erinnern.

Songs einreichen: Große oder kleine Playlist?

Alle träumen davon, es auf eine Playlist mit 100.000 Followern zu schaffen. Was man dir aber nicht sagt: Je größer die Playlist in Bezug auf die Followerzahl ist, desto schwieriger ist es, die Kurator*in zufriedenzustellen. Diese Plätze sind meist mit Hits von großen Artists besetzt, was kaum Platz für einen unbekannten Namen lässt, und wenn sich ein*e neue*r Künstler*in doch einmal einschleichen kann, muss der Song mit diesen Hits mithalten können.

Wenn dein Track noch nicht ganz so weit ist, bist du viel besser beraten, dich auf kleinere Playlists zu konzentrieren, wo die Aufnahmechancen deutlich besser sind. Und ehrlich gesagt: Zehn Platzierungen auf Playlists mit durchschnittlich 8.000 Followern sind besser als ein Platz auf einer Playlist mit 100.000 Followern. Das alles gilt übrigens nicht für die redaktionellen Playlists von Spotify. Niemand kann dir diese direkt verschaffen, aber starke unabhängige Platzierungen sind der Anfang, um den Schwung aufzubauen, der dich ins Rampenlicht rückt.

Ein kurzes Wort zum Pitchen

An wen du dich pitchst, bestimmt, was du schreibst. Blogger*innen, Labels und Radioteams wollen in der Regel Hintergrundinfos, die sie nutzen können, wenn sie über dich berichten. Das kann eine kurze Biografie sein, die deine Geschichte, frühere Releases, wichtige Meilensteine oder ein bestimmtes Detail über dich oder den Track erklärt. Gib ihnen genug Material, um eine Geschichte drumherum zu bauen.

Spotify-Playlist-Kurator*innen und TikTok-Creators teilen meist einfach nur den Song, also halte dich kurz und einfach. Sie brauchen nicht die Geschichte darüber, wann du zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand hattest.

Und denk dran: Der einzige Zweck des Pitches ist es, deinen Song gespielt zu bekommen. Sobald er läuft, kann eine gute Beschreibung ihn untermauern, aber sie wird einen schwachen Track nicht retten. Nichts rettet einen schwachen Track.

Wie kannst du deine Chancen tatsächlich verbessern?

Die Kurzfassung: Kenne dein Genre und schreib einen wirklich guten Song. Die eigene Musik objektiv zu hören, ist eine der schwierigsten Fähigkeiten, die ein*e Künstler*in entwickeln muss – aber das ist ein ganz eigenes Thema.

Ein paar kleinere Tipps, die helfen:

Sei vorsichtig mit genreübergreifender Musik. Sie kann frisch und originell klingen, aber stell dir mal einen orchestralen Hip-Hop-Track vor, der sowohl an Orchester- als auch an Hip-Hop-Playlists geschickt wird. Die Klassik-Kurator*in findet ihn zu sehr nach Hip-Hop, die Hip-Hop-Kurator*in findet ihn zu sehr nach Orchester, und du gehst zweimal leer aus. Eine Progressive-Rock-Band, die sich in Richtung Electronica orientiert, kann auf das gleiche Problem stoßen. Eine Ausnahme ist, wenn sich ein*e Kurator*in speziell auf diese Mischung konzentriert, aber das kommt seltener vor.

Master deinen Track, bevor er an deinen Vertrieb geht. Wenn du das überspringst, klingt er im Vergleich zu allem anderen auf der Liste leise und dünn. Kurator*innen merken das sofort, und die Hörer*innen auch. Das lässt sich leicht beheben, also mach es.

Wenn du kannst, hör dir die Playlist vor dem Einreichen tatsächlich an. Öffne den Link, hör dir alles genau an und frag dich, ob dein Song dorthin passt. Wenn du zögerst, lautet die Antwort wahrscheinlich „nein".

Und wenn du dir nicht sicher bist, welchem Genre dein Song zuzuordnen ist oder ob der Track überhaupt fertig ist, kann dir eine professionelle Website für Musikpromotion helfen, herauszufinden, wo dein Song hingehört, bevor du mit dem Einreichen beginnst. Bei One Submit helfen wir dir gerne weiter, egal, ob mit oder ohne Kampagne.

Abschließende Gedanken: Wonach Musikkurator*innen suchen

Kurator*innen stehen nicht an einem Tor und suchen nach Gründen, Tracks abzuweisen. Sie sind in erster Linie potenzielle Fans. Wenn ein Track zu ihrem Sound passt und wirklich etwas beiträgt, wird er oft sofort aufgenommen, manchmal sogar ganz oben.

Die meisten gehen Playlists zunächst als Hörer*innen an. Wenn ein Track zu ihrem Sound passt und wirklich etwas beiträgt, wird er oft sofort aufgenommen, manchmal sogar ganz oben.

Du versuchst nicht, ein System zu überlisten. Es gibt kein System, das du überlisten musst. Du versuchst, etwas zu schaffen, das ein*e Kurator*in nicht ablehnen kann, und es dann den richtigen Leuten zu präsentieren, die dabei helfen können, neue Hörer*innen zu erreichen und den Titel weiter voranzubringen.

Über One Submit

One Submit ist ein Musik-Promotion-Dienst, der Artists hilft, ihre Musik bei mehr als 2.200 Musikkurator*innen einzureichen, darunter Spotify-Playlist-Ersteller*innen, YouTube-Musikkanäle, Musikblogs, Online-Radiosender und TikTok-Influencer*innen mit einer Reichweite von 500.000 bis 8 Millionen Followern.

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