Die kritischen Fragen: Ein Gespräch mit Shigs Amemiya, CEO von iMusician, über die neuen AMPLIFY Abos
- iMusician
- 03 März 2026, Dienstag
Die Musikvertriebslandschaft entwickelt sich weiter und bringt neue Diskussionen über Preise, Anpassungsfähigkeit und Fairness für Artists und Labels mit sich. Als Reaktion darauf hat iMusician seine AMPLIFY-Pläne aktualisiert.
Wir haben mit Shigs Amemiya, dem CEO von iMusician, über die Neuerungen, die Gründe für diese Änderungen und die nächsten Schritte gesprochen.
Ihr habt gerade einige wichtige Neuerungen bei iMusician ausgerollt. Wie sehen diese Updates in der Praxis aus?
Shigs: Wir haben unsere Abonnements um zwei wesentliche Änderungen herum neu gestaltet. Erstens beinhalten alle unsere Abos ab sofort einen unbegrenzten Vertrieb, sodass Artists so viel Musik veröffentlichen können, wie sie wollen, ohne Obergrenzen oder zusätzliche Gebühren zu befürchten.
Zweitens haben wir eine flexiblere Skalierungsmöglichkeit eingeführt: Labels und Kollektive mit dem AMPLIFY+ Abo können jetzt bis zu 20 Artists einzeln hinzufügen, anstatt auf einen größeren Tarif umzusteigen, den sie eigentlich gar nicht brauchen. Die Idee ist einfach: Du zahlst nur für die Artist-Profile, die du verwaltest, und behältst dabei die volle Kontrolle über deine Rechte und Einnahmen.
Die Konkurrenz bietet schon seit Jahren unbegrenzten Musikvertrieb an. Warum hat iMusician so lange gebraucht, um unlimitierten Vertrieb in allen Abos anzubieten?
Shigs: Das ist ein guter Punkt. Unser Einstiegsangebot war lange Zeit für kleine Kollektive gedacht und bot ihnen unbegrenzte Artist-Slots, aber nur begrenzte Veröffentlichungen. Wir haben jedoch erkannt, dass das für moderne Solo-Artists nicht das Richtige ist. Sie brauchen nicht mehr Artist-Profile, sondern die Möglichkeit, so oft Musik zu veröffentlichen, wie sie wollen.
In unseren höheren Tarifen bieten wir schon seit Jahren unbegrenzte Veröffentlichungen an, aber wir wollten das erst in unser Einstiegsangebot AMPLIFY aufnehmen, nachdem wir sicher waren, dass dies ohne Abstriche möglich ist. In dieser Branche ist „unbegrenzte” Distribution zu niedrigen Preisen meist mit einem Haken verbunden, wie versteckten Kommissionen oder wiederkehrenden Gebühren um Releases langfristig in den Stores online zu halten. Wir haben uns die Zeit genommen, um sicherzustellen, dass wir dieses Angebot unter Beibehaltung der wesentlichen Aspekte anbieten können: Qualitätssicherung, persönlicher Support und vollständige Freiheit für unsere Artists. Wir wollten nicht die Ersten mit diesem Angebot sein, sondern diejenigen, die es auf ehrliche Weise für alle anbieten.
Also, unbegrenzte Distribution ist jetzt auch für Solo-Artists, die sich für den AMPLIFY-Plan entscheiden, beim Einstieg verfügbar. Was passiert, wenn ein Artist wächst und mehrere Projekte oder ein kleines Team managen will?
Shigs: Genau da machen die meisten Anbieter Artists mit steigenden Kosten Druck. Sobald du als Artist aus einem Solo-Plan herauswächst, muss du in teure, starre Abos einsteigen, die für viel größere Projekte gedacht sind. Wir haben gesehen, dass Artists für 5 Artists bezahlt haben, obwohl sie nur 3 gebraucht hätten. Das hat nicht zu unseren „Fair-First”-Prinzipien gepasst.
Wie geht ihr bei der Preisgestaltung anders vor?
Shigs: Wir haben uns entschieden, ein modulares System aufzubauen. Mit unserem Multi-Artist-Plan AMPLIFY+ zahlen Artists und Labels nur für die Profile, die sie tatsächlich verwalten, anstatt sich auf vorab festgelegte, starre Stufen festlegen zu müssen. Du startest mit einem Basisplan und fügst im Laufe deines Wachstums weitere Artists hinzu, und das zu einem Bruchteil dessen, was die Konkurrenz pro zusätzliches Artist-Profil berechnet. Wir haben das System so optimiert, dass es sowohl der zugänglichste Einstiegspunkt als auch die wettbewerbsfähigste Option für dein Wachstum ist. Wir haben die Rechenarbeit übernommen, damit unsere Artists das nicht tun müssen.
Die Branche geht immer mehr zu einer Abrechnung „pro Artist“ über, was oft wie eine Strafe für die Teilnahme an Kollaborationen empfunden wird. Wie genau definiert iMusician einen Artist in den neuen Plänen?
Shigs: Bei vielen Vertriebsmodellen zählt jeder Name auf einem Track als „Slot“, was für Artists, die mit anderen zusammenarbeiten, einschränkend ist. Bei iMusician konzentrieren wir uns bei der Zählung ausschließlich auf deinen Haupt-Artist, also den Artist, den du bei der Erstellung einer Veröffentlichung als solchen angibst. Wir haben bewusst entschieden, dass Gast-Artists und Mitwirkende nicht auf das Artist-Limit des Plans angerechnet werden. Wir sind der Meinung, dass ein Vertriebspartner Artists dabei unterstützen sollte, ihr kreatives Netzwerk auszubauen, anstatt es zu belasten.
Kannst du mir ein paar praktische Beispiele geben? Wie funktioniert das eigentlich für Produzierende, die mehrere Projekte managen, oder für ein kleines, wachsendes Label?
Shigs: Ein 'Primary Artist' ist der Haupt-Artist auf der Veröffentlichung, also die Person oder Band, der die Musik zugeordnet wird. Schauen wir uns ein paar Beispiele aus der Praxis an.
Wenn du als Solo-Producer nebenbei in eine Band aktiv bist, kannst du unseren AMPLIFY+ Tarif mit zwei Haupt-Artists wählen. Deine Band kann dich featuren und dein Solo-Projekt kann deine Band featuren. Diese Kooperationen sind kostenlos und zählen nicht als zusätzliche Artist-Plätze.
Wenn du ein kleines Label mit 6 Artists betreibst, kannst du unseren AMPLIFY+ Tarif wählen, anstatt dich direkt für einen vollständigen Label-Tarif entscheiden zu müssen, der für Labels mit 10 oder 20 Artists gestaltet ist. Du zahlst die Grundgebühr für den Tarif und fügst die 6 Haupt-Artists hinzu, die du verwaltest. Wenn du nächsten Monat einen 7. Artist unter Vertrag nimmst, fügst du einfach einen weiteren Slot hinzu. Auf diese Weise zahlst du nicht für „leere Plätze”, die du nicht nutzt.
Das letzte Beispiel ist die kollaborative Veröffentlichung: Wenn du als Haupt-Artist einen Track mit fünf anderen Personen veröffentlichst, gelten diese fünf Personen als Gäste. Sie werden nicht auf dein Planlimit angerechnet, was bedeutet, dass du keinen Aufpreis zahlen musst, damit sie als Mitwirkende auf deiner Veröffentlichung erscheinen.
Im Moment reden alle über KI und Automatisierung. Ihr betont aber die menschliche Unterstützung als wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Wie bringt ihr diese beiden Ansätze unter einen Hut?
Shigs: Wir sind nicht gegen Technologie, im Gegenteil, wir setzen voll drauf. Wir nutzen KI-basierte Lösungen für Routineaufgaben und einfache Anfragen, um unsere Plattform schneller und effizienter zu gestalten. Aber es gibt Grenzen, was Automatisierung leisten kann.
Wenn es um komplexe Urheberrechtsfragen, nuancierte Probleme oder kritische Momente in der Karriere eines Artists geht, sollte ein Algorithmus oder eine KI nicht der einzige Ansprechpartner sein. Wir nutzen KI, um einfache Prozesse zu beschleunigen, aber wir behalten unser menschliches Team für Beratung und Fachwissen bei. Unser Ziel ist es, Artists die Effizienz moderner Technologie und die Sicherheit zu bieten, mit einem echten Menschen sprechen zu können.
Kommen wir noch einmal auf etwas zurück, das du vorhin erwähnt hast: „Abonnementfallen“. Kannst du erklären, was du mit Fallen meinst und wie sie in der Praxis aussehen?
Shigs: Die meisten Plattformen sind so konzipiert, dass sie Artists an ihre Dienste binden. Sobald du hunderte Tracks online hast, wissen sie, dass ein Anbieterwechsel ein Albtraum wäre, und nutzen das aus. Viele Plattformen bieten zum Beispiel keine dauerhafte Online-Verbreitung an. Das heißt, dass Artists, die ihr Abo kündigen wollen, extra bezahlen müssen, damit ihre Musik online bleibt. Je mehr Musik sie veröffentlicht haben, desto mehr müssen sie bezahlen, damit ihr Katalog nicht gelöscht wird.
Unsere „No-Trap“-Richtlinie bedeutet, dass deine Musik für immer online bleibt, auch wenn du dein Abo kündigst. Wir berechnen dir keine Gebühren für die Kündigung, wir überraschen dich nicht mit versteckten Kosten und wir machen deinen Katalog nicht durch eine Kaution unzugänglich. Wir möchten, dass du bleibst, weil du den Service magst, und nicht, weil eine Kündigung zu umständlich wäre.
Ihr habt mit euren neuen Tarifen und der überarbeiteten Plattform große Veränderungen vorgenommen. Das ist aber bestimmt noch nicht alles. Was steht als Nächstes auf dem Fahrplan?
Shigs: Stimmt, das ist erst der Anfang. Wir haben den Vertriebsablauf überarbeitet, damit er intuitiver ist, aber wir möchten noch ein bisschen an der Balance feilen. Wir möchten, dass die Plattform für erstmalige Nutzer einfach zu bedienen ist, aber nicht so stark vereinfacht wird, dass wir die erweiterten Optionen wegnehmen, auf die unsere erfahrenen Nutzer angewiesen sind. Das ist eine ständige Herausforderung.
Darüber hinaus werden wir zusätzliche Funktionen einführen, um Artists noch mehr Kontrolle über ihre Veröffentlichungen zu geben und ihnen neue Möglichkeiten für Promotion und Monetarisierung zu bieten. Wir beabsichtigen auch, den Katalog der Plattformen und Shops, an die wir liefern, zu erweitern. Das Fundament ist solide, aber es liegt noch viel spannende Arbeit vor uns.
Eines haben wir noch nicht angesprochen: iMusician ist ein Schweizer Unternehmen. Ist das für Artists überhaupt wichtig?
Shigs: Auf jeden Fall. Ein Schweizer Unternehmen zu sein, hat nicht nur mit der Kulisse zu tun, sondern ist auch ein großer finanzieller Vorteil für unsere Artists. Die meisten Plattformen in den USA haben „versteckte” Kosten. Wir berechnen zum Beispiel keine Mehrwertsteuer auf unsere Abonnementpreise, wodurch du von Anfang an 20% sparst.
Noch wichtiger ist, dass wir deine Tantiemen schützen. Die US-Steuerbehörden verlangen oft einen Anteil deiner Einnahmen, indem sie diese als Quellensteuer mit bis zu 30% besteuern. Das ist zwar in vielen Ländern so, aber das Schweizer Steuersystem ist besonders freundlich zu Artists und besteuert deine Musikeinnahmen nicht auf diese Weise. Wenn du versuchst, eine Karriere aufzubauen, ist das der Unterschied zwischen einer Reinvestition in deine nächste Tournee oder nur einer ausgeglichenen Bilanz.
Was heißt „Grow Free“ eigentlich für Artists, die sich heute bei uns anmelden?
Shigs: Für uns heißt es, dass ein Artist sich kontinuierlich weiterentwickeln kann, ohne bei jedem Meilenstein das Kleingedruckte checken zu müssen. Es heißt, dass du von deinem Schlafzimmer auf die globale Bühne kommst und weißt, dass dein Musikvertrieb ein Partner ist und kein Gatekeeper. Wir stellen die Tools zur Verfügung, du behältst die Autonomie. Das ist unsere Definition von freiem Wachstum.