Angeklagter wegen Musik-Streaming-Betrugs im Jahr 2024 bekennt sich schuldig und wartet auf seine Haftstrafe
- Martina
- 31 März 2026, Dienstag
Ein Fall von KI-gestütztem Streaming-Betrug aus dem Jahr 2024 steht möglicherweise kurz vor dem Abschluss. Der Angeklagte hat sich schuldig bekannt, Streaming-Plattformen mit Hunderttausenden von KI-generierten Songs geflutet zu haben. Zudem setzte er Software ein, um die Streams künstlich aufzublähen. Wir werfen einen Blick auf die erste strafrechtliche Verfolgung dieser Art in den Vereinigten Staaten.
Streaming-Betrug wird voraussichtlich mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft
In den letzten Jahren ist Streaming-Betrug in der Musikindustrie zu einem vieldiskutierten Thema geworden. Wir haben Geschichten über Fake Artists und Spotifys mutmaßlich "ausgeklügeltes internes Programm" zu deren Erstellung gehört. Zudem wurde viel über die Gefahren und Auswirkungen von künstlichem Streaming für Artists geschrieben. Mit den Fortschritten in der künstlichen Intelligenz wachsen die Möglichkeiten der Technologie. Das gibt auch zunehmend Anlass zur Sorge über betrügerische Aktivitäten.
Wir berichteten erstmals im September 2024 über den Fall von Michael Smith auf unserem englischsprachigen Blog. Er wurde angeklagt, zwischen 2017 und 2024 mehr als 10 Millionen Dollar an Lizenzgebühren erschlichen zu haben. Dabei generierte er mithilfe von KI-Songs bis zu 661.440 gefälschte Streams pro Tag. Insgesamt wurde er wegen dreier Straftaten angeklagt: Überweisungsbetrug, Verschwörung zum Überweisungsbetrug und Verschwörung zur Geldwäsche.
Laut den Anklageschriften erstellte Smith Tausende von Bot-Konten auf Plattformen wie Spotify, Amazon Music, Apple Music und YouTube Music. Er nutzte Software, um kontinuierlich Streams von Songs zu generieren, die ihm selbst gehörten. Später setzte er künstliche Intelligenz ein, um die Anzahl der Songs massiv zu erhöhen. Er verteilte die künstlichen Streams schließlich auf Hunderttausende von Songs. Wahrscheinlich wollte er so verhindern, dass die Betrugserkennungssysteme der Plattformen Alarm schlagen.
Jetzt, anderthalb Jahre später, hat sich Smith vor dem US-Bezirksgericht der Verschwörung zum Betrug schuldig bekannt. Er ist damit einer der ersten, der wegen KI-Betrugs im Musikgeschäft erfolgreich angeklagt wurde. Die Anklage sieht eine Höchststrafe von 5 Jahren Gefängnis vor. Diese Strafe ist deutlich niedriger als die 60 Jahre, die ihm zuvor für alle drei Anklagepunkte zusammen drohten. Smith hat sich außerdem bereit erklärt, über 8 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Seine Verurteilung ist für den 29. Juli 2026 angesetzt.
"Michael Smith hat mithilfe von künstlicher Intelligenz Tausende von gefälschten Songs erzeugt und diese dann milliardenfach gestreamt", sagte US-Staatsanwalt Jay Clayton in einer Erklärung: "Obwohl die Songs und die Hörer:innenschaft gefälscht waren, waren die Millionen von Dollar, die Smith gestohlen hat, echt. Er hat diese Tantiemen von echten, verdienten Artists und Rechteinhaber*innen abgezweigt."
Eine wichtige Instanz bei der Identifizierung des Betrugs war das Mechanical Licensing Collective (The MLC). Die Organisation verwaltet die mechanischen Tantiemen aus dem Streaming-Bereich in den USA.
"Die heutige Nachricht unterstreicht die ernste Bedrohung, die Streaming-Betrug für die Musikindustrie darstellt. Sie zeigt auch die wichtige Rolle, die das MLC bei der Bekämpfung dieses Betrugs spielt. Das MLC wird weiterhin in die Erkennung von Anomalien und in die Prävention investieren, um unsere Mitglieder zu schützen. Wir werden weiterhin mit anderen Branchenorganisationen und den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um alle Tantiemen für Songwriter:innen zu schützen", erklärte das MLC in einer Stellungnahme.
In unseren früheren Artikeln haben wir verschiedene Fälle von Streaming-Betrug besprochen. Dazu gehört ein Vorfall aus dem Jahr 2024, bei dem ein Mann in Dänemark zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Er hatte Bots eingesetzt, um die Streaming-Zahlen auf Plattformen wie Apple Music, Spotify und YouSee Musik zu manipulieren.
Der Fall von Smith ist wahrscheinlich die bisher aufsehenerregendste Strafverfolgung wegen Streaming-Betrugs weltweit. Er dient als Warnung, dass solche Taten nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Es ist definitiv keine Option, die du in Betracht ziehen solltest, wenn du als Artist deine eigene Musik produzierst. Eine Gefängnisstrafe ist zwar die härteste Strafe, doch auch andere Konsequenzen sind beruflich und persönlich verheerend. Dazu gehören Bußgelder, das Einfrieren von Einnahmen oder der komplette Ausschluss von den Plattformen.
Gleichzeitig zeigt dieser Fall, dass Streaming-Plattformen und Branchenexpert:innen aktiv daran arbeiten, künstliches Streaming zu reduzieren. Diese Bemühungen zielen darauf ab, die Musik authentischer Artists zu schützen und ihnen die Einnahmen zu sichern, die ihnen zustehen. Da KI die Hürde für die Produktion großer Inhaltsmengen senkt, wird die Aufdeckung von Betrug zu einer zentralen Herausforderung für die gesamte Branche.
Martina ist eine in Berlin ansässige Musikjournalistin und Spezialistin für digitale Inhalte. Sie begann im Alter von sechs Jahren Geige zu spielen und war zehn Jahre lang in der klassischen Musik tätig. Heute schreibt sie über Musik, die Industrie, Streaming und faire Bedingungen für Künstler*innen.